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Preis für Wirtschaftsgeschichte und Vortrag zur Gobelin-Manufactur W. Ziesch & Co. am 34. Industriekulturabend

Im Rahmen des 34. Industriekulturabends des BBWA erhielt Philipp Scheinert am 14. November den Preis für Berlin-Brandenburgische Wirtschaftsgeschichte 2025 für seine an der Universität Kiel im Fachbereich Geschichte eingereichte Masterarbeit „Preußen als Fiscal-Military State am Beispiel der kurmärkischen Kriegs- und Domänenkammer im Siebenjährigen Krieg 1757/58“.

Preisträger Philipp Scheinert

Preisträger Philipp Scheinert mit der Laudatorin Ulrike Höroldt und der BBWA-Vorsitzenden Waltraud Künstler (Foto: BBWA)

Die Jury, die aus dem Beirat des Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchivs gebildet wird, hob insbesondere Scheinerts innovative Anwendung von Workflows und Tools der Digital Humanities auf handschriftliche Quellen – hier die Rechnungsbücher der Kriegs- und Domänenkammer – sowie seine Darstellung der Auswirkungen des „Military Fiscal States“ auf die Wirtschaft Preußens im 18. Jahrhundert hervor. Prof. Dr. Ulrike Höroldt, Direktorin des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz, hielt die Laudatio; den Preis überreichte die Vorsitzende des Wirtschaftsarchivs, Waltraud Künstler. Der Preis steht unter der Schirmherrschaft von Sarah Wedl-Wilson, Senatorin für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt, die sich in ihrem Grußwort direkt an den Preisträger wandte: „Dem diesjährigen Preisträger ist es gelungen, die Jury mit fundierten wirtschaftshistorischen Forschungsergebnissen und einer innovativen Methodik zu begeistern.“

Anschließend stellte Dr. Petra Winter in ihrem Vortrag mit dem Titel „… andere Ansicht als Herr Ziesch – Gobelin-Manufactur W. Ziesch & Co.“ den Hof-Kunstweber Wilhelm Ziesch vor. Als Direktorin des Zentralarchivs der Staatlichen Museen konnte sie dabei auf anschauliche Quellen aus dem eigenen Haus zurückgreifen.

Briefkopf vom 18.11.1899 (Quelle: SMB-ZA, I/GG 190, Bl. 73)

Die Berliner Gobelin-Manufactur W. Ziesch & Co. wurde 1868 gegründet und besaß in Preußen eine Monopolstellung bei der Reparatur und Reinigung von Gobelins. Sie schaffte es sogar in Meyers Konversationslexikon, wo 1907 unter dem Stichwort „Gobelins“ zu lesen ist: „Zu neuem Aufschwung gelangte die Gobelinwirkerei in Preußen durch die ‚Berliner Gobelinmanufaktur von Wilhelm Ziesch‘, der durch den Hof und die Staatsregierung in seinen Bemühungen unterstützt ward.“

Petra Winter erläuterte zunächst die Bedeutung der Gewerbeausstellung von 1896 für das Unternehmen. Dort wurden mehrere von ihm gefertigte Gobelins ausgestellt. Darunter befanden sich ein acht Quadratmeter großer Gobelin nach Max Koch, eine Italienische Abendlandschaft nach Karel Dujardin (U3/38/113) sowie Aufbruch zur Jagd nach Philips Wouwerman (U3/38/26). Hinzu kamen kleinere Gobelins sowie vier große Sessel, „deren Bezüge figurale Compositionen, welche Frühling, Sommer, Herbst und Winter versinnbildlichen“, nach Kartons von Friedrich Andreas Alexander Kips (1858–1910).

Stuhlbezüge „Der Frühling“ und „Der Sommer“ nach Friedrich Andreas Alexander Kips (1858 – 1910) (BBWA U3/38/310)

Ein zweites Hauptthema waren die fachlichen Auseinandersetzungen über die sachgerechte Behandlung von Gobelins, insbesondere im Zusammenhang mit der Reinigung der Raffael-Gobelins auf der Museumsinsel, die Wilhelm Ziesch um 1900 mit Wilhelm Bode führte. Dazu konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Fotografien aus dem Bode-Museum bewundern, die die im Krieg zerstörten Wandteppiche an ihren verschiedenen Orten ihrer Hängung zeigten.

Steinigung des Heiligen Stephanus nach Raffael (1483-1520) (BBWA U3/38/73)

Nach Petra Winters Vortrag stellte Björn Berghausen den mehr als 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Industriekulturabends das Projekt des BBWA zur „Digitalisierung der graphischen Projektdokumentation der Berliner Gobelin-Manufaktur W. Ziesch & Co. 1868–1940“ vor. Pünktlich zum Industriekulturabend gingen rund 700 Fotografien aus der Reparaturwerkstatt von Ziesch online, die mit Mitteln des Forschungs- und Kompetenz-zentrums Digitalisierung Berlin (digiS) digitalisiert werden konnten. Die Aufnahmen zeigen 468 Gobelins sowie 50 Stuhl- und Sofabezüge, die zwischen 1896 und 1918 fotografiert wurden. Allerdings lässt sich bislang nur bei 17 Objekten nachweisen, wo sie sich heute befinden. Die Digitalisate stehen der Forschung in hoher Qualität über die Deutsche Digitale Bibliothek zur Verfügung.

Fischfang nach Max Koch, 1903, Ursprünglich im Speisesaal der Präsidentenwohnung im Preußischen Herrenhaus (Kriegsverlust) (BBWA U3/38/34)

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