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„Blech is beautiful“ – Abschluss meines Praktikums im Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv

Mein zweieinhalbmonatiges Praktikum im Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv neigt sich dem Ende zu. Ich absolviere dieses Praktikum im Rahmen meiner Ausbildung zur Fachkraft für Medien- und Informationsdienste der Fachrichtung Archiv. Den krönenden Abschluss bildete meine Beschäftigung mit der Unternehmensgeschichte der Gesellschaft für Blechemballage- und Plakatindustrie mbH aus Berlin.

Im Jahr 1904 wurde die Firma von Klempnermeister Harry Büttner (gest. 1936) als GmbH in Berlin gegründet. Der Firmensitz befand sich zunächst an der Reichenberger Straße 47 in Kreuzberg. Seit ihrer Gründung produzierte die Firma Innen- und Außenwerbung auf Blech: sowohl auf Schildern als auch auf Aufbewahrungsdosen für gängige Haushaltswaren wie beispielsweise Tee, Kaffee und Zigaretten. Von Anfang an verkaufte sie ins Ausland. Russland war vor dem Ersten Weltkrieg der größte internationale Markt. Einmal wurden Werbeschilder für Zuckerrohrschnaps sogar bis nach Brasilien geliefert.

Abb. 1

Laut den Berliner Adressbüchern zog das Unternehmen 1906 in die Schinkestraße 20/21, in den weiteren Jahren kurzzeitig in die Schinkestraße 8/9 bis sie 1926 Eigentümer des Hauses in der Schinkestraße 20-21 wurden. In der Firmengeschichte wird der Umzug damit begründet, dass Harry Büttner allmählich der Platz zur Lagerung der zahlreichen Dosen ausging und größere Räume gesucht habe.

Gründer Harry Büttner diente im Ersten Weltkrieg und musste sein weitgehend zum Erliegen gekommenes Geschäft anschließend neu erfinden. Also schuf er die Innovation des Semiglas-Plakates, eines der ersten Verfahren zur Herstellung von Foliendrucken, welches er sich patentieren ließ.

1936 starb Harry Büttner. Seine beiden Söhne Heinz (1905-1982) und Werner (geb. 1907) übernahmen die Geschäftsführung. Werner schied 1964 aus der Geschäftsführung aus, wohingegen sein Bruder Heinz noch bis zu seinem Tod 1982 dieses Amt ausübte.

Anstelle der Haushaltsdosen wurden nach und nach Warn-, Hinweis- und Verbotsschilder in das Produktsortiment aufgenommen, auf denen beispielsweise Warnungen vor schnell fahrenden Autos oder ein Hinweis auf den nächsten Luftschutzkeller im Zweiten Weltkrieg prangten oder die mit Botschaften wie „Vati, komm‘ gesund wieder heim“ bedruckt waren. Diese wurden neben Unternehmen der Markenartikelindustrie vor allem vom Bergbau, der Hütten- und Maschinenindustrie sowie von öffentlichen Versorgungsbetrieben, aber auch von Behörden in Auftrag gegeben.

Abb. 2: Auszug aus Liste XI „Lagerschilderangebote“, 1954 (BBWA, K1/1/2416)

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs verschob sich der geschäftliche Schwerpunkt nun auf die Produktion von Feuerschutz- und Luftschutzhinweisschildern; aber auch Lineale, Kalenderkarten und Kalender-Rückwände stellte das Unternehmen her. Neben dem Gebäude, in welchem das Unternehmen seinen Sitz hatte, hatten auch die Geschäftsgrundlagen Kriegsschäden davongetragen – der mittel- und ostdeutsche sowie der osteuropäische Absatzmarkt waren größtenteils verloren. Aus diesem Grund lieferten die Blechmacher in der Folgezeit verstärkt in den bundesdeutschen und den westeuropäischen Raum.

Beim 50-jährigen Firmenjubiläum war das Unternehmen wieder so erfolgreich, dass es 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatte. In einem Artikel von 1954 wird darauf hingewiesen, dass von „dem Unternehmen jetzt vor allem Blechdrucke in den verschiedensten Farbausführungen nach modernsten technischen Erfahrungen“ hergestellt werden. „Dabei ist die Photolithographie gegenüber der Chromolithografie immer stärker in den Vordergrund getreten.“

In dritter Generation wurde die Plakat-Industrie (PI) ab 1967 fast durchgehend gemeinsam von den Brüdern Gernot und Dietmar Büttner (den Söhnen von Heinz) geführt, von denen ersterer ab dem 14. Juli 1987 vorübergehend sogar alleiniger Geschäftsführer war. Seit etwa 1970 erweiterten die beiden ihr Produktsortiment um Kunststoffschilder, ehe Anfang der 1980er Jahre der Blechtrend neu entflammte, ausgelöst durch den Artikel einer Fernsehzeitschrift über historische Werbung auf Blechschildern. Bis in die 2000er Jahre hinein existierte wieder ein eigener Verkaufszweig für Blechreklamen und die Handelsbeziehungen dehnten sich nach ganz Europa aus.

Abb. 3: Auszug aus einem Werbeprospekt (o. D.), (BBWA S6/01/629)

Gernot nahm später seinen Sohn Heiko Büttner in die Geschäftsführung mit auf, welcher das Blechunternehmen 2014 schließlich an einen Investor aus Hamburg verkaufte. Dieser hielt den Firmennamen für missverständlich und änderte ihn daher in Berliner Blechschild Manufaktur 1904 GmbH ab. Damit wollte er darauf hinweisen, dass die Firma schwerpunktmäßig keine Plakate, sondern Schilder produzierte.

2015 fand das circa 1000 Werbeschilder umfassende „Archiv“ in Bremen eine neue Bleibe. Zu dieser Zeit war von jedem jemals produzierten Reklameschild (größtenteils aus der Zeit von 1910 bis 1930) noch ein Exemplar vorhanden. Diese hielten Eingang in den 512-seitigen Bildband „Blech is beautiful“ (1), der die Blechschildsammlung präsentierte.

Während der Recherche über die Gesellschaft für Blechemballage- und Plakatindustrie mbH hat mich besonders beeindruckt, wie lange dieses Unternehmen sich im Besitz und unter der Führung einer und derselben Familie befunden hat und dass es Familie Büttner, selbst unter dem Eindruck zweier Weltkriege, immer wieder gelungen ist, durch Innovation beziehungsweise Anpassungen des Produktsortimentes und der Geschäftsstrategie den Fortbestand ihrer Firma zu sichern.

Text: Nick Theodor Gehlen

Quelle:

(1) Heuberg, Marco; Rath, Jochen: Blech is beautiful! Das gerettete Reklameschilderarchiv – Ein Jahrhundertfund. Bremen: Bremen Edition, 2018.

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