Nach den ersten eineinhalb Monaten meines einjährigen Bundesfreiwilligendienstes im Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv (BBWA) kann ich sagen, dass ich mich bisher sehr gut in die Arbeit eingelebt habe.
Ich absolviere den Freiwilligendienst im Rahmen eines Gap-Years zwischen Abitur und dem geplanten Studium, um mich beruflich zu orientieren und herauszufinden welcher Studiengang etwas für mich sein könnte. Bei der Suche nach einer möglichen Einsatzstelle stieß ich auf das BBWA. Da ich mich sehr für Geschichte interessiere und man in der Schule eigentlich kaum etwas über Wirtschaft lernt, erschien mir das BBWA als gute Chance dies nachzuholen. Außerdem wollte ich schon immer mal wissen, was sich hinter den Kulissen eines Archivs abspielt.
Am ersten Tag wurde ich zunächst in die Prozesse im Archiv eingewiesen und begann gemeinsam mit einem Kollegen einen relativ neuen, unerschlossenen Bestand, den das Archiv im November 2023 von der Rotaprint Handels GmbH aus Sarstedt erhalten hatte, aus dem Außenmagazin in das Magazin im zweiten Stock zu transportieren. Am Ende waren dafür drei Wagenladungen nötig. Bei der Rotaprint AG handelt es sich um einen ehemaligen Hersteller von Druckermaschinen mit Hauptsitz in Berlin-Wedding, die ab 1922 mit der Produktion ihrer ersten Offsetdruck- und Vervielfältigungsmaschine zum Pionier des Kleinoffsetdrucks wurde.

Abb. 1: Teileverzeichnis des Rotaprint Models R 38 (BBWA U3/49)
Im Magazin angekommen begannen wir damit die große Anzahl an Ordnern und Heften der Rotaprint AG aus den Umzugskartons in Regale umzuladen. Anschließend wurde mir beigebracht, wie man so einen Bestand, der mit der Nummer U3/49 im System vermerkt ist, schrittweise erschließt. Als erstes müssen alle Akten systematisch umgebettet, also in Archivmappen geheftet werden. Dabei werden u.a. Plastikfolien, Metall vom Tacker usw. entfernt, welche dem organischen Papier bei der Aufbewahrung schaden könnten. Als zweites wird nochmal alles nach Duplikaten untersucht und entsprechend kassiert (entsorgt). Als drittes werde ich den Bestand dann in das digitale Augias System eintragen.
Momentan befinde ich mich noch beim Umbetten. Beim Umbetten begegne ich vor allem Teileverzeichnissen, elektrischen Dokumentationen oder Handbüchern über die verschiedensten Rotaprint Modelle. Vor allem die Detailliertheit der Teileverzeichnisse mit ihren hunderten kleinen Zeichnungen hat mich dabei fasziniert und zeigt, wie kleinteilig und kompliziert eine einfach erscheinende Druckermaschine von innen ist.
Meine zweite Tätigkeit im BBWA ist die Erschließung der Bücher aus den Bestand Nachlass Martin Schaaff (Circus Busch Archiv) N07. Auch hier werden, in diesem Fall Bücher in Augias eingetragen. Während ich jedes Buch aufschlage, innen eine Zugangsnummer mit Bleistift notiere und es nach den wichtigen Informationen durchforste begegne ich einer großen zeitlichen, sowie geographischen Vielfalt an zirkusverwandten Büchern. Viele beinhalten alte Zeitungsartikel und handschriftliche Danksagungen oder Grüße. Sie geben interessante Einblicke in die Vergangenheit. Sie spiegeln schließlich auch einen großen Teil der Kultur aus der jeweiligen Zeit wider. Einen besonderen Gefallen habe ich auch an den älteren Büchern aus dem Anfang des 20. und Ende des 19. Jahrhunderts gefunden. Man merkt bei den Büchern von damals oft, wieviel Wert auf gute Qualität gesetzt und wieviel Mühe sich auch in Hinsicht auf die vorhandenen Technologien für das Produkt gegeben wurde. Beispielhaft dafür sind Bücher mit zahlreichen Originalzeichnungen mit Bleistift o.ä.

Abb. 2: Grafik von Heinrich Lang aus „Circus-Bilder“, 1880 (BBWA B 460/2026)
Die Kombination der zwei Tätigkeiten gestaltet eine gute Abwechslung in der relativ gleichförmigen Arbeit im Archiv.
Mit Blick auf die nächsten Wochen freue ich mich darauf hoffentlich die Erschließung des einen Bestands zu vervollständigen und weitere Inhalte des Archivs zu entdecken.
Text: Adrian Matheis

