In der Serie „Parfüm- und Kosmetikproduktion in Berlin“ stellt Ihnen Roman Goerkis Unternehmen vor, die nach dem 2. Weltkrieg wieder in Produktion gingen und zum Teil auch sehr erfolgreich waren. In diesem dritten Teil der Serie erfahren Sie etwas über das Unternehmen Langsdorff & Co./Lanson, das kurz vorm Zweiten Weltkrieg gegründet wurde.
Die Firma Langsdorff & Co. wurde am 15. Juni 1939 als „Gesellschaft für chemische Feuerschutzmittel“ von Rudolf Langsdorff und Albrecht Bockstiegel gegründet und ist auch im Telefonbuch von 1940 entsprechend eingetragen.

Abb. 1: Anzeige aus dem Branchenbuch Berlin 1941
Am 19. Dezember 1940 wechselte der Teilhaber. Ludwig Faeber übernahm die Anteile von Albrecht Bockstiegel und die Firma nannte sich Langsdorff & Co. (ohne jeden Zusatz).
Offenbar wechselte mit dem Teilhaber auch das Produktspektrum. Im Telefon-buch von Berlin aus dem Jahre 1941 ist die Firma bereits mit dem Produktnamen Lanson und der Krone, eine Art Waren-zeichen, eingetragen (Abb. 1). Das Produktspektrum umfasst jetzt Parfüm und Kosmetik.
Zum Ende des Jahres 1941 wurden beide Partner zum Militärdienst eingezogen. Rudolf Langsdorff übertrug einen Teil der Firma auf seine Frau, Ludwig Faeber auf einen Bekannten. Dadurch war die Firma weiterhin arbeitsfähig.

Abb. 2: Werbung von Lanson-Langsdorff & Co. (Quelle: Simplicissimus, Heft 50, 1942)
In den folgenden Jahren war die Firma sehr aktiv am Markt, was an den Branchen-bucheinträgen und Werbeanzeigen (Abb. 2-3) zwischen 1941 und 1945 zu erkennen ist.

Abb: 3: Werbung von 1943 in deutsch und italienisch (Quellen: Zeitschrift „Berlin Rom Tokio“, April 1943/unbekannte Quelle)
Nach dem Krieg gab es anscheinend einige Unstimmigkeiten zwischen den Geschäftspartnern. Im Landesarchiv sind mehrere Anfragen von Anwälten bezüglich der Eigentümer der Firma Lanson in Berlin dokumentiert. Im März 1945 wurde das Gesellschaftsverhältnis gekündigt. Der Anteil von Rudolf Langsdorff ist später wahrscheinlich auf einen Verwandten übergegangen.
Bereits am 01. Februar 1946 wurde von Rolf-Heinz Langsdorff und Kurt Günther die Lanson-Langsdorff GmbH in Frankfurt am Main gegründet (siehe Abb. 4). Spätestens im März 1947 war Rolf-Heinz Langsdorff auch der Eigentümer der Firma Lanson in Berlin.
Zum 17. März 1947 startete dann der Geschäftsbetrieb in Frankfurt mit ersten Angestellten, und am 28.Mai 1948 waren dort bereits 26 Mitarbeiter beschäftigt.

Abb. 4: Nachkriegswerbung der Lanson-Langsdorff GmbH, Frankfurt/Main (Quellen: „Der Spiegel“, 13.12.1950 und 28.02.1948)
Ab 1948 ist die Firma Lanson im Telefonbuch Berlin in der Lindenallee in Wilhelmsruh, 1950 mit dem Zusatz „Inh. L. Faerber“ eingetragen, nach der Straßenumbenennung im Mai 1951 firmiert sie dann ohne Zusatz in der Hertzstraße 4 ohne Zusatz . Eine Firmenübernahme durch Ludwig Faerber ist aber nicht dokumentiert.
Ab 1952 wird Lanson im Telefonbuch von Berlin nur noch als Generalvertretung für Lanson GmbH Frankfurt am Main geführt, und war in Berlin Friedenau, in der Stubenrauchstraße.
Im IHK-Archiv in Berlin sind keinerlei Unterlagen zur Berliner Firma Lanson, Langsdorff & Co. zu finden, wohl weil es weder einen großen Betrieb noch eine namhafte Produktion gegeben hat.

Abb. 5: Set mit Parfüm und Seife der Lanson-Langsdorff GmbH, Frankfurt/Main (Quelle: Europäisches Flakonmuseum, Tettau)
Während von der Firma in Berlin keine Werbeanzeigen vorliegen, auch nicht in den regionalen Magazinen, hatte die Firma Lanson in Frankfurt 1948 gleich zwei Anzeigen im „Spiegel“ geschaltet (Abb. 4). Zudem existiert im Europäischen Flakonmuseum in Tettau ein Geschenkset der Firma Lanson aus Frankfurt am Main (Abb. 5).

Abb. 6: Verschiedene Flakons, vor 1950
Ob die Flakons „virginia tabac“ und „moulin rouge“ (Abb. 6) aus der Nachkriegszeit zwischen 1946 und 1955 stammen, kann leider nicht eindeutig bestimmt werden. Der Glasstopfen weist aber auf eine Produktion vor 1950 hin.
Der Betrieb der GmbH in Frankfurt wurde am 03. November 1955 eingestellt. Auch die Generalvertretung in Berlin ist nach 1954 im Telefonbuch von Berlin nicht mehr nachweisbar.

Abb. 7: Rechnung der Firma Lanson, Wagner & Co, 1955 (Quelle: BBWA K1/1/72951)
Allerdings gibt es mindestens ab Januar 1955 eine Firma Lanson, Wagner & Co in der Hertzstraße 19 in Berlin-Wilhelmsruh, also nur 15 Hausnummern von der Adresse des Jahres 1951 entfernt. Auf der Rückseite der Rechnung dieses Unternehmens findet sich eine Auflistung der Erzeugnisse, die um diese Zeit angeboten wurden (Abb. 7/8).

Abb. 8: Rückseite der Rechnung der Firma Lanson, Wagner & Co, 1955 (Quelle: BBWA K1/1/72951)
Die Krone auf den Etiketten und Flakons der ursprünglichen Firma Lanson, Langsdorff & Co. sind auf der Werbung von Lanson, Wagner & Co nicht mehr vorhanden. Allerdings wurden offenbar noch Verpackungen der Vorgängerfirma aufgebraucht. Auf den Messebildern in Leipzig ist die Krone noch teilweise vorhanden. Außerdem wurde auch der geschwungene Schriftzug von Lanson noch nach 1955 genutzt, bevor es eine neue Darstellung von Lanson gab: sehr gerade, teilweise auf schwarzem Grund, und der Querstrich vom A startet links neben dem A, teilweise über dem L.

Abb. 9: Links mit großer Wahrscheinlichkeit Lanson, Wagner & Co. mit dem neuen Schriftzug, rechts mit dem alten Schriftzug (Quelle: Goerkis)
Auch die zwei folgenden, wunderschönen Werbeaufsteller der Firma Lanson haben die Zeit überdauert, immerhin über 60 Jahre.

Abb. 10: Werbeaufsteller von ca. 1959 mit typischen Lanson-Logo von Wagner & Co. und von ca. 1956 mit einem anderen Logo, gedruckt von Eschenbach & Schäfer in Leipzig (Quelle: Goerkis)
Die Firma muss sehr erfolgreich gewesen sein. Für die Jahre 1956 bis 1958 sind die Messeauftritte der Firma in Leipzig im Messehaus „Dresdner Hof“ dokumentiert (Abb. 11).

Abb. 11: Messeauftritte der Firma Lanson 1956-1958 in Leipzig (Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, 21000 Leipziger Messeamt (II), Nr. F13817, F13778, F13746, F13742, Fotos: Richter, Schneider-Siemt, Griesbach)
Das genaue Produktspektrum ist leider nicht bekannt, aber die folgenden zwei Objekte zeigen neben den Parfümflakons (Abb. 6) weitere Produkte (Abb. 12/13).

Abb. 12 Birken Haarbalsam in der Tube (Foto: Goerkis)

Abb. 13: Parfümflakon mit Verpackung für Mambo (Foto: Goerkis)
Insbesondere 1957 war die Firma sehr aktiv in der Veröffentlichung von Werbeanzeigen (siehe Abb. 14, 15, 16).

Abb. 14: Werbung von Lanson im Telefonbuch von Berlin, 1957

Abb. 15: Werbeanzeigen von 06/1957 und 09/1957 (Quelle: „Das Magazin“)

Abb. 16: Werbeanzeigen von 06/1957 und 01/1957 (Quelle: „Das Magazin“)

Abb. 17: Werbeaufsteller, o. D. (Quelle: Goerkis)
Für 1958 und die folgenden Jahre konnten in der Zeitschrift keine weiteren Werbungen gefunden werden, was besonders hinsichtlich der Messeauftritte sehr überrascht.
Ab 1961 ist die Firma Lanson nicht mehr im Telefonbuch vertreten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurde die Firma aufgegeben.
Text: Roman Goerkis

