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Vortrag – Automobilkultur in Deutschland: Großtankstellen und Großgaragen

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Prof. Dr. Richard Vahrenkamp, seit Jahren Unterstützer des Wirtschaftsarchivs, hält am 5. November im Forschungscolloquium der Technikgeschicht an der TU Berlin einen Vortrag über das Thema “Automobilkultur in Deutschland: Großtankstellen und Großgaragen in Deutschland 1900 bis 1939”.

Er schreibt in seinem Ankündigungsabstract: “Der Beitrag soll zwei wesentliche Entwicklungen in der Konsumgeschichte des Autos hervorheben: Die Entstehung des Tankstellennetzes und von Parkhäusern in den Städten. Die Tankmöglichkeiten für Autofahrer waren zunächst auf Zapfsäulen auf dem Bürgersteig am Strassrand beschränkt. Verschiedene Marken konkurrierten, und die kommunalen Verwaltungen kämpften mit dem Wildwuchs der Zapfstellen. Die großen Marken, wie Dapolin, änderten um 1930 ihre Politik und bauten „Großtankstellen“ auf. Dies waren Tankstellen auf einem eigenen Gelände an den Ausfallstrassen der Städte mit zusätzlichem Service: Reparatur und Gastronomie. In der NS–Zeit verhinderte eine „Errichtungssperre“ ab 1934 den Bau weiterer Großtankstellen.

In allen deutschen Großstädten wurden bereits vor 1914 Großgaragen errichtet, vermehrt jedoch ab 1920. Beispiele dafür werden als Abbildungen gezeigt. Die Großgaragen waren zunächst bloß Umwandungen von Pferdeunterkünften in Autoparkplätze in Innenhöfen. Diesen wurden zumeist von Taxiunternehmern genutzt und standen nicht der Öffentlichkeit zur Verfügung. In den 1920er Jahren wandelten sich die Großgaragen zu umfassenden Servicestationen für den Autofahrer, wie Pflege und Reparatur, aber auch Gastronomie und Übernachtung. Der Reichsverband der Garagenbesitzer entfaltete eine umfangreiche Verbandsarbeit, wie z.B. Kampf gegen das Schwarzparken. In Berlin wurde die Kantgarage in Charlottenburg in der Architekturgeschichte bekannt. Bemerkenswert ist, dass Berlin keine Großgarage in der City aufwies. Ein Ausblick auf die 1960er Jahre zeigt, dass das Luftschutzprogramm der Bundesregierung zum Bau von Tiefgaragen in den Cities führte, die zugleich Schutz–Räume für die Bevölkerung enthielten.”

Ort und Zeit

Forschungskolloquium Technikgeschichte der TU Berlin
am 05.11.2018
um 16:15 Uhr
Hauptgebäude der TU Berlin (Straße des 17. Juni 135, 10623 Berlin), Raum H2038

Literatur und Link

  • Richard Vahrenkamp: Die Rolle von Handel und Dienstleistungen beim Aufbau des „Systems Automobil“ in den 1920er Jahren, Vierteljahrschrift für Sozial und Wirtschaftsgeschichte, Heft 4/2016, S. 428 – 451.
  • Erweiterte Fassung (PDF)
Eine der ältesten Tankstellen Berlins, 1928-29 von Paul Schröder und Max Pohl unter der Adresse Vor dem Schlesischen Tor 2 errichtet (Foto: BBWA/BB)

Eine der ältesten Tankstellen Berlins, 1928-29 von Paul Schröder und Max Pohl unter der Adresse Vor dem Schlesischen Tor 2 errichtet (Foto: BBWA/BB)

 

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