Archivgut
Kommentare 1

Ostern im Haushalt des Lloydarztes Dr. Abenhausen

Welt-Postkarte an Alfred Abenhausen

Im Nachlass des Berliner Arztes Dr. Alfred Abenhausen finden sich neben seinen Berichten über die Reisen mit Dampfern des Norddeutschen Lloyd, die ihn als Schiffsarzt 1900 bis 1907 auf alle sieben Kontinente getragen haben, auch zahlreiche Briefe seiner Familie an ihn.

Sie sind allesamt Zeugnisse eines gehobenen Berliner Haushaltes, der unweit der Einkaufsmeile der Leipziger Straße mit den erheblichen Geldmitteln aus dem Fabrikverkauf von Abenhausens Vater finanziert werden konnte. Die Briefe geben Einblick in die bürgerliche Mentalität der Familie Abenhausen sowie in die alltägliche Lebensführung, Moden der Zeit bis hin zu Lese- und Vergnügungsgewohnheiten und Ritualen zu hohen Feiertagen. Im Jahre 1900 fiel das Osterfest allerdings aus, wie Schwester Margarete ihrem gerade auf seine zweite Fahrt aufgebrochenen Bruder Alfred mitteilt. Die „Welt-Postkarte“ wurde im Rahmen des ersten Transkriptionsprojektes von Frau L. Germelmann transkribiert.,

Postkarte von Margarete Abenhausen an Dr. Alfred Abenhausen an Bord der ›Trier‹

 

Mein lieber Alfred!

Hoffentlich erreicht Dich diese Karte noch in New-York, die Letzte ist es ja, die ich dorthin schreiben kann. — Else ist heut zum Ball, und am nächsten Donnerstag von Richard Schalhorn zum Commers eingeladen. Wenn Frieda Sch. auch zu dem Commers geht, will [sie mit] der zusammen nach Haus fahren und gleich ein paar Tage drauß in Schönhausen bleiben. Am 20. od. 22. d. M. soll sie wieder zu Haus sein, gern geht sie nicht wieder nach Naumburg, Berlin gefällt ihr sehr viel besser. Ostern zu Ernst Sch’s Einsegnung will sie deshalb auch wieder längere Zeit in Berlin bleiben, ich denke aber bei Schalhorns, denn die sind doch die Nächsten dazu. Anna Ranges Besuch nebst Mutter werden wir ja so wie so im Frühjahr noch haben. — Morgen will der Doktor Mama elektrisieren und uns zu diesem Zweck eine Maschine besorgen (leihen). Wenn das nur mal ordentlich helfen wollte,

Mama quält sich nun schon über 6 Wochen mit dem Ischias herum! Von Ranges sind die Nachrichten jetzt ganz gut, Luise wird Dir geschrieben haben. Auf frohes Wiedersehen nach beiderseits angenehm verlebter Fahrt hoffend, mit innigem Gruß u. Kuß, auch von Mama

Deine
Schwester
Grete

Postkarte an Alfred Abenhausen

Postkarte an Alfred Abenhausen (BBWA N6/45)

1 Kommentare

  1. Tania Estler-Ziegler sagt

    Wir sollten wieder Briefe schreiben, sonst gibt es in 100 Jahren nichts aus unseren Haushalten zu transkribieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.