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Deutsche Dienststelle (WASt) setzt ihre Tätigkeit im Bundesarchiv fort

Als gute Nachbarn der Deutschen Dienststelle (WASt) haben wir uns sehr gefreut, dass wir zu dem Festakt am 16. Januar 2019 im Ernst-Reuter-Saal des Reinickendorfer Rathauses anlässlich der Überleitung der Deutschen Dienststelle (WASt) in das Bundesarchiv zum 01.Januar 2019 eingeladen waren. Immerhin sind wir schon seit 2009 auf demselben Werksgelände am Eichborndamm beheimatet.

Die Redner des Festaktes erinnerten an die Leistungen der Deutschen Dienststelle (WASt) und deren Mitarbeiter in den letzten Jahrzehnten und würdigten die Bedeutung der Quellen. Alle mussten zumindest einmal den vollen Namen der bis Ende 2018 bestehenden Behörde des Landes Berlin nennen, was bei der Länge des Titels nicht so einfach ist: „Deutsche Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht (WASt).“

Die WASt wurde 1939 eine Woche vor Kriegsbeginn gegründet. Das ist besonders erwähnenswert, weil die Grundlage der Gründung dieser Dienststelle, der Artikel 77 der Genfer Konventionen von 1929 war, der besagt, dass von jedem Krieg führenden Staat bei Beginn von Feindseligkeiten amtliche Auskunftstellen über die auf ihrem Gebiet befindlichen Kriegsgefangenen einzurichten sind.

Nach 1945 wuchs der Aktenbestand der WASt unter anderem durch zahlreiche und umfangreiche Unterlagen anderer militärischer und militärähnlicher Verbände, so dass dort heute 75 lfd. km Akten- und Karteimaterial lagern.

Mit den dazukommenden Beständen wuchsen auch die Aufgaben der Behörde: „Sie ist unter anderem zuständig für Auskünfte über Gefallene und während der Kämpfe vermisste Soldaten. Neben der Klärung von Schicksalen Vermisster, Kriegssterbefallanzeigen bei den zuständigen Standesämtern und Verfahren zur Todeserklärung stellt sie Informationen über Kriegsgräber, Erkennungsmarken und Feldpostnummern zur Verfügung. Auch die Rückgabe von persönlichen Gegenständen an die Angehörigen gehört zu den Aufgaben der Abteilung.“

Die Begrüßung übernahm der Präsident des Bundesarchivs Dr. Michael Hollmann. Er wies darauf hin, dass die Integration der Deutschen Dienststelle 15 Jahre Vorlauf hatte, aber besonders das letzte Jahr sehr anstrengend für die beteiligten Mitarbeiter des Bundesarchivs und der Deutschen Dienststelle (WASt) waren. Die Deutschen Dienststelle (WASt) ist jetzt seit dem 01.01.2019 die „Abteilung PA (Personenbezogene Auskünfte zum Ersten und Zweiten Weltkrieg)“ im Bundesarchiv.

Über die Wichtigkeit der Aufgaben des WASt erzählen auch die Dankesbriefe an die Mitarbeiter, von denen die Kulturstaatministerin Prof. Monika Grütters einige in Auszügen vorlas. Außerdem erklärte sie, dass aus dieser Behörde zur Verwaltung des Krieges und seiner Folgen eine Stütze der demokratischen Erinnerungskultur geworden sei. „Diese Entwicklung verdanken wir der längsten Friedensperiode, die Deutschland und Europa je erlebt haben. Unsere Demokratie, unsere verfassungsrechtlich garantierten Freiheiten, unser Selbstverständnis als Partner in Europa sind nicht zuletzt das Ergebnis bitterer Lernerfahrungen, ermöglicht durch die schonungslose Auseinandersetzung mit dem Grauen der NS-Diktatur und dem Leid zweier Weltkriege. Die Deutsche Dienststelle hat mit ihren Recherchen und Auskünften zum Schicksal Kriegsgefallener einen wichtigen Beitrag zu diesen Lernerfahrungen geleistet – sie hat durch Aufklärung Aufarbeitung ermöglicht.“

Einen ungewöhnlichen Einschub für eine Festaktrede war die Zusicherung der Kulturstaatsministerin, dass inzwischen geklärt sei, dass keiner der 239 Mitarbeiter der Deutschen Dienststelle (WASt) einen finanziellen Nachteil durch den neuen Arbeitgeber haben wird.

Nach einer kurzen Rede von Elke Breitenbach als Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales bis Ende 2018 Dienstherrin der Deutschen Dienststelle (WASt), die sich von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verabschiedete, sprach die Generalsekretärin des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. (VDK). Sie wies auf die gute Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Dienststelle (WASt) und dem VDK hin. Durch den Austausch von Informationen und Ressourcen konnten zum einen neue Kriegsgräber gefunden und zum anderen die dort liegenden Soldaten identifiziert werden. Es gäbe immer noch viele Anfragen von Angehörigen und sie hoffe, dass auch weiterhin eine gute Zusammenarbeit stattfinden wird.

Eine abschließende Gewissheit, wo sich ein geliebter Mensch befindet, sei für Angehörige von besonderer Wichtigkeit war eine der Hauptaussagen von Dorota Dziwoki, der Leiterin der Suchdienst-Leitstelle im DRK-Generalsekretariat. Das beweisen alleine 9.000 Anfragen, die das DRK 2018 bekommen hat.

Zur Geschichte und der Bedeutung des WASt erfuhren die interessierten Zuhörer vieles im Festvortrag von Prof. Dr. Michael Epkenhans vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr und von den Mitarbeitern des WASt Birgit Wulf und Robert C. Balsam, die einen Rückblick auf 72 Jahre humanitäre Aufgaben „Eine Zeitreise“ gaben.

Nach diesem bilderreichen Vortrag gab es noch viele gute Gespräche bei Sekt, Orangensaft und Butterbrezeln im Foyer des Ernst-Reuter-Saals.

 

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