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Kleinstbestände im BBWA – Butter-Klawe in der Mauerstraße

„Wer also nicht eine Leistung vermag, die das Publikum trotz der Misere zu ihm reißt, der übernehme eine Filiale des Butter-Klawe, aber fordere nicht unsre Schonung“, schreibt Siegfried Jacobsohn 1925 in der Zeitschrift Weltbühne zum Thema „Theaterkritiker“.

Die Butterhandlung Franz Klawe und ihre Filialen scheinen also zu dieser Zeit zum Stadtbild zu gehören und waren wahrscheinlich ein bekanntes Unternehmen.

Rechnungskopf (BBWA U6/05/1)

Warum „wahrscheinlich“?

Die Überlieferung – wie bei so vielen Kleinstbeständen – ist dürftig. Unser Bestand (U 6/5) besteht aus ca. 5 cm Papier, darunter ein Rechnungsblock, eine Papiertüte, ein paar Werbekarten und ansonsten hauptsächlich Rechnungen, die an Butter-Klawe gestellt worden sind. Die Dokumente stammen aus den Jahren 1936 bis 1937: Zu dieser Zeit befand sich das 1896 gegründete Unternehmen schon in Liquidation, was den Schluss nahelegt, dass diese Unterlagen aus dem Nachlass des Liquidators und Wirtschaftsprüfer Fritz Maercker sind.

In den Adressbüchern von Berlin taucht die Butterhandlung Franz Klawe erstmals 1897 in der Mauerstr. 83 in Berlin-Mitte auf. Laut Handelsregister, das sich im Landesarchiv Berlin befindet, wurde die Firma allerdings erst am 25.12.1901 eingetragen.

Kaffee-Tüte (BBWA U6/05/10)

Das Stammgeschäft ist zunächst in der Mauerstr. 83 (ab 1908 in der Nr. 85). Dort verkauft Franz Klawe nicht etwa nur Butter, sondern auch frisch gerösteten Kaffee und Kolonialwaren. Zu Weihnachten wurden neben „Allerfeinsten Auszugmehl `Klawe-Gold´“ auch Sultaninen, „Prima Korinthen“, „Feinster blauer Mohn“, Dosen mit Mirabellen oder Erdbeeren, aber auch Oelsardinen, harte Cervelat- und Salami-Wurst und 50%tiger Jamaika-Rum-Verschnitt angeboten. Schon 1906 besitzt er zwei Filialen in Kreuzberg, zwei in Schöneberg und eine Filiale am Bahnhof Wannsee.

Liste der Filiale in den 30er Jahren (BBWA U6/05/3)

1908 tritt Franz Klawes Bruder Wilhelm in das Unternehmen ein, das von diesem Zeitpunkt als „Franz Klawe & Co.“ firmiert und in der Mauerstraße 85 ansässig ist. Am 8. Oktober 1934 erhält Hans Klawe Prokura. Er ist der Sohn von Franz Klawe. Knapp drei Wochen danach stirbt Franz Klawe und vererbt laut Testament vom 28. Juni 1929 seine Firma sowie zwei Grundstücke an seinen Bruder, seinen Sohn und seine Ehefrau Maria Klawe, geb. Mancke.

Zum 1. Januar 1935 wird das Unternehmen zur „Franz Klawe oHG“. Schon im November 1936 beginnt die Liquidation, die zu einer endgültigen Löschung im August 1938 führt.

 

 

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