Allgemeines
Schreibe einen Kommentar

Eine Dienstreise und ihre Folgen

Über meine 4-tägige Dienstreise ins Ruhrgebiet habe ich Ihnen, lieber Leser, schon am 08. April 2019 berichtet. Ich weiß jetzt, dass der übermäßige Genuss von Besichtigungstouren im Bereich „Industriekultur“ süchtig macht. Und zwar so süchtig, dass ich am Ostermontag unbedingt in die Lausitz fahren musste, um mir die „Energiefabrik Knappenrode“ anzusehen.

Der Weg zur 1918 in Betrieb genommenen Energiefabrik führt durch die ehemalige „Bergarbeiterkolonie Werminghoff“, die in ihren Grundzügen gut erhalten ist. Sie entstand 1913 und bis 1918 waren 60 Wohnungen, ein Kaufhaus, ein Gasthaus und das Bade- und Zechenhaus fertiggestellt. 1920 waren schon 950 Bewohner registriert. Seit 1950 heißt der Ort Knapperode und ist seit 1994 ein Ortsteil von Hoyerswerda.

Energiefabrik Knappenrode – Eingangsbereich (Foto: M. Hassel, 2019)

Energiefabrik Knappenrode – Waschkaue (Foto: T. Estler-Ziegler, 2019)

Schon beim Betreten des 25 Hektar großen Außenbereichs der 1993 stillgelegten Brikettfabrik waren wir völlig fasziniert von dem Ausmaß des ehemaligen Werkgeländes und dem riesigen Fabrikgebäude aus Backstein. Wir haben den Weg aller Besucher genommen und uns zunächst die Waschkaue angesehen. Hier fanden sich Vitrinen zum Thema „Schätze der Erde“ mit unglaublich großen Achaten, die uns sehr begeistert haben.

Energiefabrik Knapperode – Turbinenhalle (Foto: T. Estler-Ziegler, 2019)

Sehr interessant war auch die Ausstellung „Als Knappenrode noch Werminghoff hieß“, wo wir mit vielen alten Fotos durch die Geschichte der Brikettfabrik und der Bergarbeiterkolonie geführt wurden. Im Turbinensaal (Kraftzentrale) haben wir einen älteren Herrn getroffen, der in einer ähnlichen Fabrik in der Lausitz gearbeitet hat und uns genau die Unterschiede von Gegendruckturbinen und Kondensationsturbinen erklärte. In diesem Raum entstand der Strom für den Eigenbedarf der Brikettfabrik und deren Nebenanlagen. Zum Antrieb der Turbinen wurde der im nicht mehr vorhandenen Kesselhaus erzeugte Dampf genutzt.

Energiefabrik Knappenrode – Treppenturm zum Fabrik-Rundgang (Foto: T. Estler-Ziegler, 2019)

Weiter ging es über einen 22 Meter hohen Treppenturm aus Stahl zum Fabrikrundgang. Über sieben Stockwerke ist hier der Weg der Kohle bis zum Entstehen der Briketts nachzuvollziehen. „Sieben – Mahlen – Trocknen – Pressen“ – das sind die Überschriften der einzelnen Stationen. Besonders spannend sind die O-Töne von ehemaligen Mitarbeitern, die Geschichten aus ihrem Arbeitsleben in der Fabrik erzählen.

Energiefabrik Knappenrode – Förderbank und Kohlebunker, Tellertrockner, dampfbetriebene Presse (Fotos: T. Estler-Ziegler, 2019)

Das Außengelände kam bei unserem Besuch zu kurz. Im Schnelldurchlauf haben wir uns einen Teil der dortigen Attraktionen angesehen. Beim Maschinenpark und dem anschließenden Werksbahnhofsgelände kamen in unserer kleinen Gruppe die Fahrzeug- und Eisenbahnliebhaber auf ihre Kosten. Leider war es dann auch schon 18:00 Uhr und wir mussten das Gelände verlassen. Zweieinhalb Stunden sind eindeutig zu wenig für den Besuch der „Energiefabrik Knappenrode“. Das nächste Mal werden wir dorthin einen Tagesausflug machen, um dann auch alles in Ruhe ansehen zu können.

Energiefabrik Knappenrode – Außengelände (Foto: M. Hassel, 2019)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.