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Berliner Laufbildprojektoren (2) – Oskar Messter

Die Geschichte des Films ist untrennbar mit der Geschichte seiner Vorführtechnik verbunden. Während einige Namen weithin bekannt sind, gerieten viele kleinere Firmen in Vergessenheit – obwohl sie einst wichtige Innovationen in der Kinotechnik hervorbrachten. Archivpraktikant Felix Ulrich hat, ausgehend von dem Werk „Deutsche Laufbildprojektoren“ von Herbert Tümmel, einige dieser Unternehmen recherchiert. Im Rahmen der Serie „Berliner Laufbildprojektoren“ beschäftigt sich der zweite Teil mit dem Unternehmen Oskar Messter.

Oskar Messter als unbekannten Namen zu bezeichnen, kann man nur, wenn man mit so übersichtlichem Vorwissen wie der Autor an das Thema herangeht. Während er den Stummfilm-Connaisseuren nur zu gut bekannt ist, soll er hier dennoch beleuchtet werden. An seinem Beispiel wird der Zusammenhang zwischen Projektoren- und Filmproduktion in der Frühzeit nämlich sehr deutlich.

1906: Thaumtograph XV. Aus: Tümmel, Herbert, S. 135

Bevor Oskar Messter 1896 zur Kinematografie kam, war er als Optiker, Mechaniker, Erfinder und Reisender tätig. Am 15. Juni 1896 verkaufte er seinen ersten Projektor und lieferte bis Jahresende bereits 64 Geräte aus. Um 1900 brachte er das Modell X auf den Markt, das er in einer Auflage von 500 Stück produzierte. Ab 1905 stellte er zudem eine Serie von 2000 Laufwerken für die französische Firma Pathé her – ein bemerkenswert frühes Beispiel für den Übergang von handwerklicher Einzelfertigung zur industriellen Massenproduktion in der Filmtechnik. Messter setzte frühzeitig auf das Malteserkreuzgetriebe als Schaltelement, welches er in verschiedenen Variationen weiterentwickelte. Damit setzte er den Trend für eine wesentliche Weiterentwicklung der Lauftechnik. Sein Projektorengeschäft blühte bis 1913, als er insgesamt 17 Typen von Laufbildprojektoren herausgebracht hatte. Während des Ersten Weltkriegs stellte er die Produktion ein und widmete sich verstärkt der Film- und Luftbildaufnahme sowie der Filmproduktion.

Hier ein Überblick über Messters Innovationen:

  • 1896: Projektor mit zwei Lagerplatten und fünfteiligem Malteserkreuz (entwickelt von Max Gliewe).
  • 1897: Einführung des THAUMATOGRAPH mit gegenläufigen Blendenflügeln und Gleitschienen zur Filmschonung.
  • Um 1897: Vor- und Nachwickler, Druckrollen-Anschlag und Feuerschutztrommel.
  • 1902: Patentierung des vierteiligen Malteserkreuzes mit geraden Schlitzen (DRP 127913).
  • 1904: Modell XII mit zentraler Bildverstellung.
  • 1905: Fertigung von ca. 2000 Laufwerken für die französische Firma Pathé („Th. P.-Modell“).
  • 1908: Schulprojektor mit Malteserkreuz für Normalfilm und transportabler SALON-KINE-MESSTER.
  • 1913: Einführung des PANZER-KINO (Modell 1914) mit gekapseltem Werk, automatischer Ölung und innovativer Bauweise.

Mit seiner Hinwendung zur Filmproduktion begibt sich Messter auf den Pfad, für den er heute berühmt ist. Er gehört unbestreitbar zu den Wegbereitern der deutschen Filmindustrie. Durch seine Arbeit entwickelte sich Berlin zum Ausgangspunkt und später zum Zentrum der deutschen Filmproduktion. In der Folgezeit begannen auch andere Unternehmen in verschiedenen deutschen Städten mit der Herstellung von Laufbildprojektoren.

1914: Panzer-Kino. Aus: Aus: Tümmel, Herbert, S. 138

Messter gründete und beteiligte sich an vielen Firmen, die hier nicht alle aufgezählt werden sollen. Um seine Bedeutung für die Filmproduktion aufzuzeigen, seien hier aber exemplarisch einige seiner Errungenschaften genannt. Im Jahr 1912 gelang Oskar Messter in Zusammenarbeit mit Friedrich Simon Archenhold eine bemerkenswerte technische Pionierleistung: Mithilfe des Riesenfernrohrs der Sternwarte in Berlin-Treptow fertigten sie die weltweit erste Filmaufnahme einer Sonnenfinsternis an. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs verlagerte sich Messters Arbeit zunehmend in den Bereich der Kriegsberichterstattung. Als Leutnant in der Presseabteilung des Generalstabs schnitt er aus Dokumentationen des Kriegsgeschehens die erste deutsche Wochenschau zusammen. Die sogenannte Messter-Wochenschau wurde am 23. Oktober 1914 erstmals gezeigt und markierte einen entscheidenden Schritt in der Entwicklung der filmischen Nachrichtenberichterstattung in Deutschland.Noch vor dem Ende des Ersten Weltkriegs traf Oskar Messter eine weitreichende geschäftliche Entscheidung: Für 5,3 Millionen Mark (umgerechnet 11.245.227 Euro) verkaufte er seine Unternehmen in Berlin und Wien, die in der neu gegründeten UFA aufgingen. Ab 1925 war er dort als Aufsichtsratsmitglied tätig und blieb der Branche somit verbunden. Mit dem Aufgehen in der UFA wird er nicht der einzige bleiben. Das ist ein Muster, das uns weiter begleiten wird.

Messters Einfluss auf die deutsche Film- und Kinoindustrie war maßgeblich. Durch sein Organisationstalent und seine technischen Innovationen trug er entscheidend dazu bei, diesen Wirtschaftszweig zu einem international anerkannten Sektor zu entwickeln. In Würdigung seiner Verdienste stiftete die Deutsche Kinotechnische Gesellschaft (DKG) ihm zu Ehren 1926 die Oskar-Messter-Medaille, die bis in die heutige Zeit immer wieder vergeben wird.

Text: Felix Ulrich

Quellen:

Tümmel, Herbert. Deutsche Laufbildprojektoren: Ein Katalog. Berlin: Stiftung Deutsche Kinemathek, 1986.

Landesarchiv Berlin, A Rep. 342-02 : 61792

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