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Keine kleinen Brötchen gebacken: Bestand der Wittler-Brot verzeichnet

Der Bestand der „Brotfabrik August Wittler“ ist verzeichnet und nun vollständig zugänglich. Die Großbäckerei, die 1898 von den Brüdern Heinrich und August Wittler an der Müllerstraße im Wedding gegründet worden war, buk nach dem Ersten Weltkrieg zeitweise mehr Brot als jeder andere Konkurrent in Europa. In den 1920er und 1930er Jahren blühte das Geschäft auf – auch und gerade wegen einer architektonisch ausgeklügelt aufgebauten Brotbackfabrik.

August Wittler

August Wittler

1929 ließ Wittler den Architekten Kurt Berndt (von ihm stammt auch der Lunapark am Halensee) ein Mammutofengebäude in Stahlskelettbauweise errichten. Ein eigenes Gasgeneratorwerk lieferte den Strom, lange Transportwege wurden durch die Schwerkraft erledigt: Der Backprozess war so organisiert, dass von den Silos unter dem Dach das Getreide in die nächste Etage gesiebt wurde, um dann darunter zu Teig verarbeitet, wieder eine Etage tiefer gegärt, in den Mammutofen gebacken, in der Kühletage gelagert und im Erdgeschoss verpackt und ausgeliefert zu werden. Mit diesen Mammutöfen konnten 200.000 Brote der verschiedensten Sorten gebacken werden, die in einem Filialnetz mit rund 30 Verkaufsstellen abgesetzt wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte die Brotfabrik ihren Betrieb wieder aufnehmen, ging aber 1982 in Konkurs.

Bei den Unterlagen, die nun verzeichnet sind, handelt es sich vornehmlich um Inventare, Buchhaltungsunterlagen, Jahresabschlussberichte, Bilanzen, Steuerunterlagen u.v.m. Darüber hinaus finden sich aber auch Unterlagen zu Investitionen. Es lassen sich zahlreiche Verweise auf Firmen aus Berlin aus jener Zeit finden, dazu Wirtschaftsprüferberichte sowie Unterlagen von Wittler-Tochterunternehmen.

Der Schwerpunkt der Überlieferung liegt auf den späten 1960er und den 1970er Jahren, die Gesamtlaufzeit des Bestandes reicht von 1945 bis 1981. Fotos oder dergleichen gibt es zwar nicht im Bestand, aber einige Preis- und Reklametafeln der Brotfabrik.

Die Bearbeitung des Bestandes ließ die 18,5 Laufmeter alte Aktenordner aus der Anlieferung auf acht Meter schrumpfen, die nun uneingeschränkt der Benutzung zur Verfügung stehen.

Text: Jan Barth / BB

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