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Leo Ross – Geräte und Maschinen für Hoch- und Tiefbau

Als ich meine Recherche zum Unternehmen Leo Ross begann, bemerkte ich schnell, dass die Aktenüberlieferung im Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv nicht ausreichen würde, um einen Blogbeitrag zu füllen. Ich setzte meine Recherche in den Berliner Adressbüchern, in Telefonbüchern und Handelsregistereinträgen fort. Zusätzlich suchte ich im Internet, konnte jedoch keine Beiträge mit ausreichendem Informationsgehalt finden.

Ein weiterer Bestandteil meiner Recherche war der Besuch im Landesarchiv Berlin. Dort nahm ich nochmals verschiedenes Schriftgut in Augenschein, darunter Dokumente zu dem Verein Leo Ross-Hilfe e. V., Berlin.

Die gewonnenen Einsichten sind zwar nicht vollständig und detailliert, liefern aber einen Einblick in das bedeutsame Unternehmen Leo Ross:

Abb. 1: Kleiner Pekazet-Schnell-Mischer aus einem Werbeprospekt von 1934 (BBWA, S2/13/437)

Es wurde am 10.01.1912 in Berlin-Steglitz von Leo Ross gegründet und hatte seinen Sitz zunächst in der Bergstraße 48. Es konzentrierte sich auf den Großhandel mit Baumaschinen, Baugeräten und Baueisenwaren. Leo Ross entwickelte sich zu einem der größten Handelsunterneh-men für Baugeräte aller Art in Deutsch-land. Darüber hinaus war die Firma Mitglied der Fachvereinigung des Eisen- und Metallwarengroßhandels e. V.

1920 verlegte das Unternehmen seinen Standort in die Potsdamer Straße (Tiergarten), wo es für die folgenden vierzig Jahre ansässig blieb.

Abb. 2: Werbeprospekt von 1934 (BBWA, S2/13/437)

Über die 30er Jahre gibt es so gut wie keine Informationen über den Großhandel. Allerdings geht aus der Publikation „Hakenkreuz und Judenstern: Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich“ von Josef Werner (1990) hervor, dass das jüdische Unternehmen Prölsdörfer im Jahr 1937 von Leo Ross „arisiert“ wurde (1). Prölsdorfer war ebenfalls ein großes Baugeräte- und Baumaschinen-Unternehmen, ansässig am Rheinhafen (Karlsruhe).

Abb. 3: Anzeige aus dem Berliner Adressbuch 1943

Nachweislich unterhielt die Firma 1943 Niederlassungen in Königsberg, Düsseldorf und Karlsruhe und war damit über Berlin hinaus an mehreren Standorten vertreten. Seit 1951 war das Unternehmen unter der Leitung von Werner Ross als Einzelfirma im Handelsregister eingetragen.

 

Zum 01.10.1952 wurde der Verein Leo Ross-Hilfe e.V., Berlin gegründet. Dieser war eine soziale Einrichtung der Firma Leo Ross und hatte die Aufgabe, Vereinsangehörige in Notlagen zu unterstützen.

Anfang der 1960er-Jahre kam es zu strukturellen Veränderungen:
Rund zwei Monate nach Mauerbau wurde der Hauptsitz des Unternehmens nach Hamburg verlegt. Der historische Zusammenhang fällt ins Auge. Ob das allerdings der wirkliche Grund für die Verlegung war, ist nicht nachweisbar. Leo Ross in Berlin wurde am 07.11.1961 zur Zweigniederlassung unter der Leitung von Erwin Sturmhoebel. 1963 zog die Berliner Zweigstelle schließlich nach Tempelhof in die Bergholzstraße 13/14 um. 1964 hatte die Firma neben Hamburg und Berlin noch 9 weitere Zweigniederlassungen.

Aus einem Zeitungsartikel der Frankfurter Allgemeinen vom 16.12.1966 ist zu entnehmen, dass die Firma Leo Ross (Hamburg) 1965 über tausend Mitarbeiter beschäftigte und einen Umsatz von 96 Millionen D-Mark erzielte. 1966 sank der Umsatz auf etwa 65 Millionen D-Mark und eine Mitarbeiterzahl von 600.  Aufgrund von Liquiditätsschwierigkeiten wurde am 05.10.1967 über das Vermögen des Inhabers das Konkursverfahren eröffnet.

Gleichzeitig wurde 1967 die Ross Baugeräte GmbH in Berlin gegründet. Sie sollte dazu dienen die Stammfirma aufzufangen. Am 06.02.1968 wurde sie ins Handelsregister eingetragen. Der Betrieb konnte sich nur für eine kurze Zeit halten und wurde 1971 aufgegeben. 1974 erfolgte die Löschung der Stammfirma in Hamburg aus dem Handelsregister und 1976 die Löschung der Ross Baugeräte GmbH in Berlin.

Abschließend kann festgehalten werden, dass insbesondere zu den Anfängen des Unter-nehmens noch einige Fragen offenbleiben. Immerhin verwahrt das Staatsarchiv Hamburg Unterlagen, wenn auch das Unternehmensarchiv als verloren zu betrachten ist. Die Hamburger Unterlagen konnten wegen der Sperrfristen noch nicht eingesehen werden.

Abb. 4: „Wie Fachleute über den Kapezett-Mischer urteilen“, Broschüre mit 76 Kundenreferenzen aus den Jahren 1927/1928, die 1934 auch noch versandt wurde. (BBWA, S2/13/437)

Das Ergebnis meiner Rechercheaufgabe verdeutlicht, wie wichtig Archive als kulturbewahrende Institutionen sind.

In der heutigen Zeit greifen viele lieber auf digitale Quellen zurück, da sich die gewünschten Informationen mit nur wenigen Klicks im Internet finden lassen. Vieles schon, jedoch nicht alles. Von allen zugänglichen Quellen lieferte das Archivgut die aussagekräftigsten Informationen. Aufgrund dieser Überlieferungen bleibt das Unternehmen in Erinnerung – denn auch wenn es nur einen Teil der Wirtschaftsgeschichte in Berlin repräsentiert, bedeutete es für viele Leute ein ganzes Leben voller Arbeit, Erfahrungen und Erinnerungen.

Text: L. Reichmann

Quellen

Werner, Josef: Hakenkreuz und Judenstern. Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich. Karlsruhe: Badenia Verlag 1990, S. 165 + 174.

4 Kommentare

  1. Martin Probst sagt

    ich habe diese Seite entdeckt weil in dem Haus meiner Großeltern ein gusseiserner Lüftungsschlitz eingebaut war dieser Firma

  2. Veit Brinkmann sagt

    Sehr interessant. Schön, dass sich jemand mit solchen Themen beschäftigt. Ich habe kürzlich einen Bauwagen von ca. 1963 vor dem Verfall gerettet, der von der Firma Leo Ross vertrieben wurde. Vorher kannte ich die Firma noch nicht.
    Weiterhin viel Erfolg bei den Forschungsarbeiten!
    Veit Brinkmann

  3. Werner Slangen sagt

    Ich habe mit großem Interesse Ihren Beitrag gelesen. Mein Vater, Hermann Slangen war Leiter der NL Düsseldorf, Köln, Neuss und eine Zeit lang auch von Gelsenkirchen. Als Einzelprokurist war er alleinvertretungsberechtigt und konnte wie ein Generalbevollmächtigter, nach meinen Erinnerungen, auch über Haus und Grund verfügen. Er war von 1936 bis 1967 bei Ross beschäftigt. Wenn Sie an weiteren Infos interessiert sind, dann kontaktieren Sie mich bitte.

    Mit freundlichen Grüßen
    Werner Slangen

  4. Heiko Büttner sagt

    Vielen Dank für diesen hochinteressanten Beitrag, ich konnte viel neues Lernen.
    Ich sammle im Rahmen eines Hobbys mancherlei Dinge von Leo Ross und besitze diverse Kataloge bzw Auszüge von der Firma (1929, ’30, ’34, ’35, ’36, ’37, ’39, ’53, ’58, ’63). Bei Bedarf kann ich diese gerne zur Verfügung stellen.
    Beste Grüße
    Heiko Büttner

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