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150 Jahre BBF | Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Die Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung kenne ich schon sehr lange. Ich habe mir schon häufig die wunderbaren Altbestände zur deutschen Bildungsgeschichte dieser Forschungsbibliothek angesehen, aber das umfangreiche Archiv mit seinen historischen Beständen fehlt mir noch.

Die Bibliothek verfügt mit über 780.000 Medien wohl über die größte Sammlung pädagogischer Literatur in Deutschland. Das Spezialarchiv des BBF verwahrt auf rund 1.800 Regalmetern Schriftgut zur Bildungsgeschichte und Bildungspraxis in Deutschland mit dem zeitlichen Schwerpunkt vom Beginn des 19. bis Ende des 20. Jahrhunderts.

Abb. 01: Innenansicht des BBF (Foto: BBF, Öffentlichkeitsarbeit)

Jetzt feiert die BBF, die mit ihren Arbeitsbereichen Bibliothek, Archiv und Forschung eine Abteilung des DIPF ist, ihr 150-jähriges Bestehen.

Begonnen hat alles mit der Eröffnung des „Deutschen Schulmuseums“ 1876 durch den Bezirksverband Berlin des Deutschen Lehrervereins. Geplant war eine Einrichtung bestehend aus Museum, Lehrmittel-Ausstellung und Bibliothek. Letztere sollte mit ihrer Sammlung von pädagogischen Werken, Zeitschriften und anderer Fachliteratur die Lehrtätigkeit der Volkschullehrkräfte unterstützen.

Ein solches Konzept war für diese Zeit nicht ungewöhnlich, „hatte doch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine regelrechte, von der lokalen zur internationalen Ebene reichende Gründungswelle von Schulmuseen und Lehrmittelausstellungen eingesetzt“ (Monika Mattes, S. 124).

Aber es gab von Anfang an finanzielle und räumliche Schwierigkeiten. So wurden die Bücher, Lehrmittel und Artefakte in der Aula der 49. Gemeindeschule in Berlin-Friedrichshain aufbewahrt. Es gab nur ab und zu Sonderausstellungen und die Lehrmittel-Ausstellung kam nie zustande.

Spannend fand ich in diesem Zusammenhang die Beschreibung des Bibliotheksalltags von Monika Mattes: „Die Öffnungszeiten der Bücherei waren zunächst mit wenigen Stunden an einem Tag pro Woche – und das lediglich im Sommer, da im Winter kein Licht und Heizung vorhanden waren – äußerst eingeschränkt. Auch konnte ein Teil der Bücher nicht ausgeliehen werden, weil der Einband fehlte“ (S. 128).

Trotz allem wuchs der Bibliotheksbestand aufgrund von Geschenken und von finanziellen Spenden relativ schnell an. 1879 umfasste die Bücherei 2.000 Bände, 1910 waren es schon 60.000 Bände.

Abb. 02: Alter Katalog (Foto: BBF, Öffentlichkeitsarbeit)

1908 verbesserte sich die Situation wesentlich. Die Lehrmittelsammlung wurde abgegeben und das Schulmuseum in „Deutsche Lehrerbücherei“ umbenannt. Gleichzeitig zog die Bibliothek in das Vereinshaus des Berliner Lehrervereins am Alexanderplatz und erhielt nun endlich für die damalige Zeit moderne Arbeitsmöglichkeiten und erstmals eine hauptberufliche Bibliothekarin.

1933 wurde der Deutsche Lehrerverein gleichgeschaltet und der Nationalsozialistische Lehrerbund übernahm die großen deutschen Lehrerbüchereien in München, Berlin und Leipzig. Die inzwischen auf 240.000 Bände angewachsene Bibliothek hat den Zweiten Weltkrieg mit geringfügigen Verlusten überstanden. Allerdings wurden wertvolle Sammlungsbestände ausgelagert. „Von den mehr als 8000 Handschriften kehrten nur 1341 zurück, die Münzsammlung und große Teile der Bildersammlung bleiben verschollen“ (Webseite des BBF).

Abb. 03: Alexanderplatz mit „Haus des Lehrers“ (1982, Quelle: BBWA S2/12/1153)

1948 wurde die Deutsche Lehrbücherei wiedereröffnet. 1951 wurde die Pädagogische Zentralbibliothek gegründet. Hier wurde die Deutsche Lehrbücherei als Außenstelle integriert. Im September 1964 wurden die Pädagogische Zentralbibliothek und die Deutsche Lehrbücherei örtlich vereint und zwar im neuen „Haus des Lehrers“ am Berliner Alexanderplatz. Viele Sammlungsbestände waren weiterhin in Außenmagazinen untergebracht. Trägerin der Bibliothek war ab 1970 die Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der DDR (APW). Während der DDR-Zeit sammelte die Bibliothek die pädagogische Literatur der DDR, aber auch aus der Sowjetunion und anderen sozialistischen Staaten.

Abb. 04: Innenansicht des BBF (Foto: BBF, Öffentlichkeitsarbeit)

Nach der Wiedervereinigung wurde die Einrichtung 1992 ein Teil des DIPF, was übrigens dieses Jahr 75-jähriges Bestehen feiert. Zu dieser Zeit erhielt die Bibliothek ihren heutigen Namen „BBF | Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung und 1994 konnten die bis dahin in unterschiedlichen Gebäuden untergebrachten Bestände am heutigen Standort in der Warschauer Straße zusammengeführt werden.

In diesem Jubiläumsjahr lädt die BBF zu einer ganz besonderen Veranstaltungsreihe ein und zwar zum „BBF-Sofa“. An fünf Abenden, immer mittwochs, finden Vorträge zu Themen aus der Bildungsgeschichte und zur Arbeit des BBF statt. Jeder Abend beginnt mit einer etwa einstündigen Präsentation. Im Anschluss ist Zeit für Fragen, Diskussionen und persönlichen Austausch – bei kleinen Snacks und Getränken in entspannter Runde. Am 17. Juni erfahren Sie etwas über die Schulmuseen im 19. Jahrhundert und am 21. Oktober geht es um „Flimmerstunde – DDR-Lehrfilme in der BBF. Das BBF freut sich über viele Besucherinnen und Besucher.

Abb. 05: Empfang des BBF (Foto: BBF, Öffentlichkeitsarbeit)

Quellen:

Geschichte der BBF | Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung. In: Webseite des BBF, https://bbf.dipf.de/de/die-bbf/geschichte (letzter Zugriff: 12.06.2026).

Mattes, Monika: Volksschullehrer-Wissen sammeln und verbreiten. Das Deutsche Schulmuseum bzw. die Deutsche Lehrerbücherei in Berlin 1876–1914. In: Historia scholastica, 09/2023, S. 123-143 (https://historiascholastica.com/sites/historiascholastica.com/files/HS/1-2023/6.pdf).

 

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