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Eine Fahrt in den Zeittunnel – Praktikum im Wirtschaftsarchiv

Als ich am 09.09.2019 mein Praktikum im Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv begann, ging es ging mir wahrscheinlich wie jedem, der sich auf neues Terrain begibt, sich gedanklich damit auseinanderzusetzen, was einen erwartet. Die Grundausrichtung der Tätigkeit – bspw. das Erfassen von Dokumenten, deren Beschriftung und fachgerechte Lagerung, um nur einige Beispiele zu nennen – waren mir schon bekannt. Ich hatte zuvor Erfahrungen in einem Museum gemacht, die mich nicht ganz so blauäugig an die Sache herangingen ließen.

Ich wurde sehr freundlich von der Archivarin Frau Estler-Ziegler und dem Geschäftsführer Herrn Berghausen empfangen. Mir wurden die Räumlichkeiten gezeigt, die Kollegen vorgestellt und die Arbeitsweise sowie die administrativen Abläufe sehr bildhaft erklärt.
Wie es nun einmal am ersten Tag so ist, gab es viele Informationen, die – wie ich gestehen muss – sehr umfangreich waren und mich ein wenig ins Schlingern brachten. Heute, am dritten Tag des Praktikums, fühle ich mich in den alten Gemäuern eines um die Jahrhundertwende entstandenen Industriebaus ein wenig zu Hause. Es ist für mich sehr wichtig und von Bedeutung, so ein Refugium zu finden, was es mir ermöglicht bzw. erleichtert, in die Industriegeschichte abzutauchen und mich darauf einzulassen. Es gehört für mich dazu, dort, wo Industriegeschichte geschrieben wurde, Pioniere, Erfinder, mutige und intelligente Menschen diesen Standort geprägt haben, diesem nachzugehen und für die Nachwelt zugänglich zu machen.

Dieses Unterfangen wird nicht einfach sein, dessen bin ich mir bewusst. Ich bin gespannt, wie meine Flexibilität, Umsicht und Wahrnehmung diesen Anforderungen gerecht werden. Soweit ich mich zurück erinnern kann, hat mich Geschichte fasziniert: Menschen, die bis heute unvergessen sind – Herrscher, Bauherren, Denker vor allem in Antike und Mittelalter … sagen wir mal: „Helden ihrer Zeit“ in positiver oder negativer Hinsicht.

Ich muss mich jetzt zunächst geographisch wie in der Datierung etwas umstellen, womit ich keine Probleme haben werde, da ich mich schon im Museum Lichtenberg mit Industriegeschichte beschäftigt habe. Die Biographien der Protagonisten ähneln sich und sind dennoch sehr unterschiedlich. Menschen, die durch die Zeiten, seien es Kriege, Weltwirtschaftskrise, Tragödien, immer wieder aufgestanden sind, nötigen mir Respekt ab. Je mehr man sich mit diesen Dingen beschäftigt, umso mehr bemerkt man, welche Entbehrungen das 20. Jahrhundert mit sich brachte. Diesen Industriellensetzt ein Archiv eine Art schriftliches Denkmal.

Die kommenden zwei Monate werde ich mich unter anderem mit der Industriegeschichte der Firma Goth, die im Jahre 1949 begann, auseinandersetzen. Es ist auf jeden Fall eine Herausforderung, die ich gern annehme. Mit der „Kurzbiographie“ dieses Unternehmens habe ich mich schon bekannt gemacht. Es ist eine typische westdeutsche, oder besser gesagt West-Berliner Geschichte, die einige Jahre nach dem Krieg begann und in den Zeiten des „Wirtschaftswunders“ Etablierung fand; viel auf und ab erlebte und dennoch bis heute Bestand hat. Alles lässt sich in wenigen Zeilen kaum beschreiben. Ich werde mich geduldig in diesen Zeittunnel begeben und meine Zeitreise von 1949-2009 antreten.

Wichtig ist für mich, dass ich Fahrt aufnehme und einen guten Abschluss finde, mit dem letzten Endes beide Seiten profitieren und der Meinung sind, es richtig gemacht zu haben.

Gunnar Ströhl

1 Kommentare

  1. André König sagt

    Industriegeschichte und überhaupt Geschichte sind immer wieder faszinierend. Gerade während der Forschungstätigkeit gibt es stets neue Entdeckungen und Überraschungen. Es ist noch so vieles unaufgearbeitet, da lohnt es sich doch mit neuem zu beschäftigen. Und eine abgeschlossene Forschungsarbeit ist der schönste Lohn aller Mühen.

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