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9. Abend zur Industriekultur zum 130. Geburtstag des Berliner Stroms

Seit vier Jahren verfolgt das BBWA halbjährlich das Ziel, historische Themen aus Berliner Unternehmerschaft, Industriekultur und Wirtschaftshistorie durch ein Veranstaltungsformat zu beleben, das in Kooperation mit dem Verein für die Geschichte Berlins im Goldberger-Saal des VBKI und seit 2014 zusätzlich mit dem Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, im historischen Kutschstall in Potsdam durchgeführt wird.

Den nun schon neunten Abend zur Industriekultur veranstaltete das Berlin-Brandenburgische Wirtschaftsarchiv am 16. Mai 2014 wieder gemeinsam mit dem Verein für die Geschichte Berlins im Goldberger-Saal des Ludwig-Erhard-Hauses in Berlin.

Referenten und Gastgeber (v.l.): Ulrich Strasse, Klaus Dettmer, Kai Strunz

Referenten und Gastgeber (v.l.): Ulrich Strasse, Klaus Dettmer, Kai Strunz (Foto: BBWA)

Der Themenabend richtete den Blick auf den 130. Geburtstag der Berliner Energieversorgung, deren Geschichte in großen Teilen auch ein Dokument der deutsch-deutschen Geschichte ist. Sie nahm 1884 mit der Gründung der Städtische Elektrizitäts-Werke (A.G.StEW) ihren Anfang. Bereits wenige Wochen später trat die Vorläufergesellschaft der späteren BEWAG in den Konzessionsvertrag der Stadt Berlin ein und wurde zum Motor für die rasante Entwicklung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens Berlins.

Nach der Begrüßung der über 50 Gäste durch Klaus Dettmer vom Wirtschaftsarchiv widmete sich Ulrich Strasse, Leiter der Region Mitte des Mittel- und Niederspannungsnetzes Berlin bei der Vattenfall Europe Netzservice GmbH, in seinem Vortrag »Berliner Stromnetzgeschichte(n) – Anfänge, Teilung, Wiedervereinigung« der weiteren Entwicklung des Energieversorgers BEWAG und seiner Vorgängerunternehmen. Er führte durch wirtschaftliche und politische Strukturveränderungen, betrachtet den umfassenden Wandel von Gesellschaft und Arbeitswelt und würdigt ein Unternehmen, das nicht zuletzt auch Krieg und Teilung Berlins meisterte. Nach der Wiedervereinigung hat Strasse das Zusammenwachsen der beiden Berliner Strom-Netze mitgestaltet, die heute von Vattenfall betrieben werden. Er berichtete aus seiner eigenen Erfahrung manches Detail, das nicht in den Geschichtsbüchern steht. So zum Beispiel, dass der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen am Tage der feierlichen Zusammenführung der Netze in der wiedervereinigten Stadt einen Startknopf drücken sollte, den die Bewag-Mitarbeiter extra noch schwarz angesprüht hatten. Vorher war er rot, und auf einen roten Knopf sollte nicht gedrückt werden!

Blick in die Zukunft des Berliner Stromnetzes: Prof. Strunz bei seinem Vortrag

Blick in die Zukunft des Berliner Stromnetzes: Prof. Strunz bei seinem Vortrag (Foto: BBWA)

Neue Impulse und Engagement für die Zukunft hatte auch Prof. Dr. Kai Strunz von der Technischen Universität Berlin in seinem weiterführenden Vortrag »Intelligente Energieversorgung für Berlin 2037« im Blick. Er ergänzte das Thema mit Ergebnissen aus einer Studie, die zeigt, wie Berlin im Jahr seines 800. Geburtstages mit regenerativem Strom versorgt werden kann und sich der Energieverbrauch von Gebäuden reduzieren lässt. Hier führte Prof. Strunz anschaulich vor Augen, wie die Netzbelastungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten am Tage genutzt werden können, um Lasten und Kosten zu verteilen. Er räumte aber auch ein, dass Prognosen immer mit dem Problem behaftet sind, dass sie von heutigen Annahmen ausgehen müssten. Beispielsweise könnten die dramatischen Verbesserungen bei der Energieeffizienz von Endverbrauchergeräten (Kühlschränken zum Beispiel) nicht exakt vorhergesehen werden. Die Geräte hätten ja heutzutage alle „A++ und noch ein Plus”. Noch mehr Kapazitäten zur intelligenten Netznutzung gibt es im Bereich der Industrie, wo noch lange nicht alle Möglichkeiten genutzt werden.

Beide Referenten standen anschließend den zahlreichen Fragen zur Verfügung. Die Verknüpfung der Netzgeschichte mit der Netzzukunft fand allgemeinen Anklang.

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