Mein Praktikum im Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv endet nach anderthalb Monaten. In dieser Zeit habe ich gelernt, mit der Datenbank AUGIAS umzugehen, ich habe verschiedene Arten von Beständen kennengelernt und auch mit Recherche habe ich mich hier beschäftigt.

Geschäftsbericht RFT electronic (BBWA S2/13/840)
Zu Anfang erfasste ich Bedienungsanleitungen und ähnliche Unterlagen von VEBs. Später beschäftigte ich mich mit Geschäftsberichten verschiedener Unternehmen seit den 1940er Jahren. Wie ich an ihnen die Geschichte Deutschlands über das letzte Jahrhundert nachvollziehen konnte, habe ich in meinem Anfangsbericht schon beschrieben.
Danach durfte ich einen Kleinbestand von Anfang bis Ende bearbeiten; ich sichtete zunächst die Unterlagen, dann heftete ich die Inhalte in Archivmappen um und schließlich erfasste ich die vielen Artikel, Fotos und Postkarten des Bestands U3/50 Berliner Bock-Brauerei AG, Tempelhofer Berg. Hierbei handelt es sich um die Unterlagen, mit denen Lothar Uebel seine Monographie „Bockvergnügen am Kreuzberg“ über die Bockbrauerei am Tempelhofer Berg schrieb. Ich habe auch hier viel gelernt. Zum Beispiel weiß ich jetzt, wie ein Bierzähler aussieht, was der § 11 aussagt und dass der Tempelhofer Berg vor seiner Bebauung zum Weinanbau genutzt wurde.

Grußkarte der Berliner Bock-Brauerei von 1898 (BBWA U3/50/58)
Wann immer Zeit war, habe ich Zeitungsartikel von Berliner Unternehmen (S6/01) erfasst. Diese Sammlung unterschied sich grundlegend von allen anderen von mir bearbeiteten, unter anderem, weil sie so neue Unterlagen sammelt. Statt den Geschäftsberichten, die in den 1940er Jahren begannen, oder den VEB-Bedienungsanleitungen, deren Laufzeit auf die Dauer der DDR beschränkt waren, beschäftigte ich mich nun mit Zeitungsartikeln der letzten vier oder fünf Jahre. Es wurde von Restaurantbesuchen oder Veränderungen auf dem Aktienmarkt geschrieben. Die jüngsten Artikel wurden erst vor wenigen Monaten aus den entsprechenden Zeitungen ausgeschnitten. Diese für mich sehr andere Sammlung bot mir einen interessanten Einblick aus einer anderen Perspektive in die Archivarbeit.
Doch nicht nur die Archivarbeit an sich habe ich hier kennengelernt, sondern auch eine der Veranstaltungen des BBWA. So durfte ich am 30. Industriekulturabend im Ludwig-Erhard-Haus teilnehmen, der sich mit der Geschichte und Zukunft der Bundesdruckerei beschäftigte. Ein Artikel über den Abend ist hier zu finden: https://www.archivspiegel.de/aktivitaeten/30-industriekulturabend-zur-bundesdruckerei/
Ein Highlight meines Praktikums war die Recherche zur Ferdinand Neumann GmbH. Als Übung sollte ich etwas über dieses Unternehmen herausfinden. Zuerst erwies sich die Suche als wenig ergiebig, doch die Recherche lohnte sich; gerade die Einsicht in Akten des Landesarchivs Berlin war sehr aufschlussreich. Die Geschichte der Firma erzählt von Familienschicksalen, Judenverfolgung im Nationalsozialismus und einem Heiratsschwindler mit einer Vorliebe für schicke Anzüge und schnelle Autos. Eine ausführlichere Nacherzählung dieser Geschichte habe ich bereits in meinem Archivspiegel-Artikel „Meine Recherche im Wirtschaftsarchiv – Ferdinand Neunmann GmbH“ veröffentlicht.
Doch auch sehr viele praktische Dinge aus dem Archivalltag habe ich hier in den letzten sechs Wochen erlernt. Ich habe Akten geordnet und verdichtet, Bücherregale sortiert und wurde über verschiedene Konservierungsmethoden für die verschiedenen Dokumente und Unterlagen informiert. Außerdem habe ich die Fotos eines neuen Bestandes gezählt, um einen Überblick über die nötigen Ressourcen zur Konservierung zu erhalten. Und nicht zu vergessen sind natürlich die Blogbeiträge, die ich hier geschrieben habe.
Ich habe in den letzten sechs Wochen viel gelernt und bin froh, hier im BBWA einen Einblick in den Archiv-Alltag erhalten zu haben.
Text: Leevke Hellebrandt
Quelle:
Titelbild: Werbeblatt „Berliner Bock-Brauerei Tempelhoferberg u. Chausseestrasse 64.“ (BBWA U3/50/53)

