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Enders Bräu oder ein überraschender Fund…und jetzt brauchen wir IHRE Hilfe!

Historiker, Archivare oder ähnlich gestrickte Berufsgruppen sollten nicht auf den Flohmarkt gehen. Erstens wird das meistens teuer und zweitens pflegen solche Menschen, manchmal Dinge zu kaufen, die vielleicht interessant sein könnten. Genau dazu gehört dieses Foto, was zunächst gekauft wurde, weil offensichtlich eine Belegschaft vor einem Backsteingebäude (ein Industriebau) posiert und auf einem Schild zwischen ihnen „Weissensee Berlin“ (örtlicher Bezug) zu lesen ist.

Dem aufmerksamen Betrachter entgeht natürlich nicht, dass auf einem Gesims hinter den Männern und einem ziegenähnlichen Wesen zwei weitere Plakate stehen. Hier wirkte nun der detektivische Charakter unserer Berufsgruppe: Mit einer Lupe bewaffnet und unter Ausnutzung verschiedener Lichtquellen konnten wir das linke Schild entziffern, auf dem „Enders Bräu“ steht. Auf dem rechten Plakat ist der Umriss einer Bierflasche zu erkennen sowie ein unleserlicher Schriftzug darüber.

Wir haben also 71 chic angezogene Männer, eine Frau und eine „Ziege“, die um einen Tisch mit weißer Tischdecke vor einem Gebäude aus Backstein gruppiert sind und zum Teil mit Bierkrügen aus Glas und Keramik sowie Bierflaschen dem Fotografen zuprosten. Ganz links trägt ein Mann eine Brauerei-Schürze.

Belegschaft der Enders-Brauerei (BBWA S1/04/1)

Über Enders-Bräu wissen wir aus dem Standardwerk für die Berliner Braustandorte von Henry Gidom „Berlin und seine Brauereien“, dass Gustav Enders 1892 die Brauerei Sternecker in Weissensee übernahm und den an das Brauhaus angeschlossenen Vergnügungsbetrieb um ein Restaurant und eine Kegelbahn erweiterte. Der Betrieb erhielt den Namen „Brauerei Weissensee“ und hatte 1902/03 einen Jahresabsatz von 30.000 Hektoliter Lagerbier. 1911 verlegte er die Produktion in die Chausseestraße 40. Gleichzeitig wurde der Betrieb an die Bergbrauerei Nacher & Co verkauft. Nach mehreren Inhaberwechseln kam es 1921 zur Stilllegung des Betriebes durch die Engelhardt Brauerei AG. Außerdem finden wir dort auch eine Abbildung von Gustav Enders um 1910.

Wir lieber Leser brauchen jetzt Ihre Hilfe. Dass es sich hier um ein Belegschaftsfest handelt, wie es damals üblich war, und dass Herr Enders mit seiner Frau auf diesem Fest anwesend war, ist offensichtlich. Dennoch bleibt die Frage nach dem Anlass und dem wann und dem wo. Steigen Sie mit uns, tiefer in die Geschichte dieses Fotos ein. Wir freuen uns auf Ihre Hinweise.

Ihr BBWA

1 Kommentare

  1. Es wird vermutlich im Zusammenhang mit Bockbier stehen.
    Bei Bockbierfesten ist die Anwesenheit eines Ziegenbocks nicht unüblich.

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