Heute begann meine dritte Woche als Praktikantin im Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv. Dieses Praktikum ist Teil meiner Ausbildung zur Fachkraft für Medien- und Informationsdienste in der Fachrichtung Archiv, in der es mit dem 3. Lehrjahr langsam in Richtung Prüfung geht.
Im BBWA hatte ich mich um ein Praktikum beworben, weil es von den Beständen und auch den Räumlichkeiten nochmal etwas ganz anderes ist als meine bisherigen Praktikumsstellen. Außerdem bin ich in Berlin aufgewachsen und finde es sehr interessant, durch die Betrachtung ausgehend von der Wirtschaftsgeschichte neue Perspektiven auf die Stadt zu erhalten.

Produktblatt (BBWA U3/52/25)
Am ersten Tag bekam ich zunächst eine kurze Einführung in die Archivtektonik, also den Aufbau der Bestände im Archiv. Dann konnte ich direkt mit der Arbeit an einem noch nicht erschlossenen Bestand beginnen. Der Bestand U3/52 Ingenieurbüro Hans E. Fuisting besteht zum größten Teil aus Material, das erst vor kurzem vom Sohn des ehemaligen Geschäftsführers an das Archiv übergeben wurde. Darin befinden sich Berichte von Besuchen bei Kunden, Schriftverkehr, Fachzeitschriften und Publikationen, Informationsmaterial zu eigenen Produkten und Werbeblätter anderer Unternehmen. Die Unterlagen stammen aus der Zeit der 1950er bis 1990er Jahre. Bevor ich diese Archivalien in der Archivdatenbank Augias verzeichnen und somit den Nutzern zugänglich machen konnte, musste ich sie umbetten und technisch bearbeiten. Das heißt, die Unterlagen mussten von sämtlichen Plastik- und Metallteilen befreit werden, die Schäden am Papier verursachen könnten. Danach habe ich sie in passende Archivmappen und -kartons gelegt, bis auf die enthaltenen Fotos, die gesondert gelagert werden.

Werbeblatt der Fernsteuergeräte OHG Berlin-Britz (BBWA U3/52/25)
Bei der Verzeichnung ist mir aufgefallen, wie viel wissenschaftliche Arbeit hinter einem Produkt des Ingenieurbüros steht. Doch auch wenn mir jetzt Begriffe wie „Potentiometer“ oder „Gleichstrom-Präzisionszähler“ bekannt sind, blieb mir die Funktionsweise der in den Unterlagen beschriebenen Geräte größtenteils ein Rätsel. Genauso rätselhaft waren mir zu Beginn der Verzeichnung die unterschiedlichen Unternehmensnamen. Dazu gehören Fuisting & Co. KG, Hans E. Fuisting Fernsteuergeräte Berlin, Fernsteuergeräte Zachariä–Oelsch–Meier, Deutsche Metrohm Fuisting & Co. KG und weitere. Im Laufe der Bearbeitung wurde ersichtlicher, dass es sich um verschiedene Vertretungen und eine Übernahme des Unternehmens handelt. Der letzte Schritt nach dem Anbringen der Signaturen ist das Verfassen einer Bestandsbeschreibung in Augias.

Meine nächste Aufgabe, an der ich auch jetzt noch arbeite, betrifft den Bestand „Freie Scholle“. Die Freie Scholle (BBWA U5/09) ist eine gemeinnützige Baugenossenschaft mit Sitz in Berlin-Tegel. Die abgegebenen Unterlagen befinden sich noch in Stehordnern und sind zum Teil in keinem sehr guten Erhaltungszustand. Der erste Schritt meiner Arbeit an diesem Bestand ist daher die Trockenreinigung, um Rost, Staub und Dreck so gut es geht aus den Akten zu entfernen. Bei vielen Unterlagen müssen auch Risse gesichert bzw. die Heftlöcher verstärkt werden. Ich bekomme bei der Reinigung zwar ziemlich schwarze Finger, aber, wenn ich mir am Ende die Akten vor und nach der Bearbeitung angucke, bin ich motiviert weiterzumachen.
Besonders gefällt mir bisher die Vielfalt des vorhandenen Archivguts, die einen angenehmen Kontrast zu den repetitiven Arbeitsabläufen im Archiv bietet. Mit Blick auf die nächsten Wochen im BBWA freue ich mich schon, meine Aufgaben fortzusetzen und fachliche Kompetenzen dazu zu gewinnen.
Text: C. Busch

