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Ich bin keine Achivmaus – Arbeiten im Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv

Jetzt arbeite ich schon drei Monate im Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv und habe mich immer noch nicht an die merkwürdigen Reaktionen von Nicht-Archivaren gewöhnt, wenn ich erzähle, dass ich in einem Archiv arbeite. Von einem freundlichen Desinteresse, über Stirnrunzeln bis hin zu einem abschätzenden Blick über meine Gesamtgestalt – alles habe ich schon erlebt. Am liebsten sind mir aber die Menschen, denen ganz spontan und aus tiefstem Herzen der Satz entfleucht: „Das wäre ja nichts für mich, den ganzen Tag in einem staubigen Keller sitzen und in altem Papier wühlen.“

Für alle, die es interessiert, ich arbeite nicht in einem dunklen, staubigen Keller und ich lese auch nicht den ganzen Tag alte staubige Akten. Ich trage auch keine mausgraue Kleidung und habe nicht vor mir in der nächsten Zeit einen Dutt anzuschaffen. Eine Brille besitze ich tatsächlich, aber das schon seit vielen Jahren.

Mein Arbeitsplatz befindet sich in den ehemaligen „Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken“ in Berlin-Reinickendorf. Diese wurden Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut. Wir sitzen in einem Backsteingebäude, das typisch für Fabriketagen, meterhohe, lichtdurchflutete Räume hat.

Und die Arbeit macht richtig Spaß, ist vielseitig und hat nur manchmal etwas mit Staub zu tun. Da wir nur zu zweit sind (der Chef und ich), mache ich alles, was in einem Archiv anfällt und vieles mehr.

Gleich im Januar habe ich eine Woche lang einen Mitarbeiter eines Wirtschaftsunternehmens geschult, der ein historisches Archiv für die Firma aufbauen soll. In den Bereich Schulungen gehört es auch Schülergruppen durch das Archiv zu führen und den Teilnehmenden die Archivarbeit näher zu bringen. Außerdem bin ich für die Betreuung der Praktikanten zuständig.

Im Februar habe ich gelernt, was für ein enormer Verwaltungsakt es ist Fördermittel zu beantragen. Alle, die schon mal ihren Förderantrag in „Eureka 2020“ eingestellt haben, wissen, von was ich spreche. Nebenbei müssen Blogbeiträge für unseren Archivblog geschrieben werden, lizenzfreie Fotos dafür gesucht oder selbst aufgenommen werden und die eine oder andere Publikation redigiert werden.

„Können Sie mir eine Liste von Bekleidungsfabrikationen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zusammenstellen?“ „Haben Sie Informationen zur Firma xyz?“ „Ich brauche die Ausbildungsordnung für Maschinenschlosser aus den 80er Jahren.“ „Ich benötige einen Ausbildungsnachweis für meinen Rentenantrag.“ Das ist nur eine Auswahl von Fragen, die unsere Nutzer an uns stellen. Um diese Fragen beantworten zu können, recherchieren wir in unseren eigenen Archiv- und Bibliotheksbeständen, aber auch in verschiedenen Datenbanken im Internet.

Als Verantwortliche für das Magazin bin ich gerade mit der Umstrukturierung desselben beschäftigt. Das ist nicht nur eine logistische Aufgabe, sondern auch eine körperliche, wenn gefühlte tausende von Archivkartons von einem in ein anderes Regal verfrachtet werden müssen. Zudem soll ich mich um eine neue Archivdatenbank und der dazugehörigen Technik kümmern.

Auch wir wollen unsere Archivalien ins Archivportal D stellen. Darum besuche ich auch Weiterbildungen insbesondere zur Digitalisierung.

Eine Bibliothek mit 30.000 Büchern haben wir auch. Da diese bisher nicht verzeichnet wurde und auch nur zum Teil geordnet ist, muss auch hier eine Lösung gefunden werden…

Es wird also auch weiterhin spannend bleiben.

Jetzt freue ich mich, dass mein Chef nach Ostern aus seiner zweimonatigen Elternzeit zurückkommt. Dann kann ich mich endlich in den „Keller“ zurückziehen, die staubigen Akten „lesen“ und verzeichnen – was übrigens auch eine Hauptaufgabe einer Archivarin ist.

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