Unsere Bibliothek umfasst inzwischen rund 20.000 Bücher und es werden immer mehr. Zum Teil kommen sie von Bestandsgebern und manchmal kommt jemand vorbei, der uns ein ganz besonderes Buch schenkt.

BBWA B 27/2026
Dazu gehört auch „Von der alten Apotheke bis zum Zauberladen: Traditionelle und besondere Läden in Berlin“ von Hannelore Ellersiek. Hier finden sich Beschreibungen von 54 liebenswerten Läden, die eine lange Tradition haben und die häufig Artikel führen, die sonst nirgendwo mehr zu finden sind.
Das ist wieder einmal ein Buch, mit dem wir eine neue Reihe im Archivspiegel starten möchten und einen Teil dieser kleinen traditionellen und manchmal kurios anmutenden Läden und Handwerksbetriebe vorstellen wollen. Dabei werden nicht nurUnternehmen vorgestellt, die nicht mehr existieren, sondern auch solche, die es noch gibt.
Den Anfang der Reihe macht Roman Goerkis, der in der Drogerie Saxonia ein ganz besonderes Einkaufserlebnis hatte:
Heute möchte ich ein Geschäft vorstellen, das noch existiert. Während sonst meine Artikel von Firmen handeln, die bereits Geschichte sind, geht es heute um die Drogerie Saxonia Knesebeckstr 13-14 in Berlin.
Bei meiner Suche nach Rasiercreme und -seife wurde mir diese Drogerie empfohlen. Also habe ich dem Geschäft einen Besuch abgestattet und war sehr erfreut, eine echte Drogerie vorzufinden, und wie ich von Claudia Czekalla, der Inhaberin erfahren habe, mit sehr langer Tradition.

Abb. 01: Außenansicht der Drogerie Saxonia in der Knesebeck Str. 13 – 14 (Foto: Roman Goerkis)
Ob es sich um die älteste Drogerie Berlins handelt, kann und will ich nicht beurteilen, aber mit den Adressbüchern von Berlin und den Unterlagen im Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv ist diese seit 1912 nachweisbar.
Leider gibt es aus der frühen Zeit keine Abbildungen oder Prospekte. Die Drogerie ist erstmalig 1912 mit dem Inhaber Rudolf Schoeber in der Sächsischen Straße 1 verzeichnet.
Bereits 1906 und 1909 gab es im Adressbuch von Berlin eine Drogerie Saxonia von Wilhelm Fendler, in der Gneisenaustraße und Diefenbachstraße in Kreuzberg. 1908 wird auch eine Drogerie Saxonia in Niederschönhausen dokumentiert, die einem Alexander Gruschwitz gehörte. Ob es sich dabei um die Drogerie handelt, die später von Rudolf Schoeber geführt wurde, konnte nicht ermittelt werden.
Die Historie der Drogerie von Rudolf Schoeber kann durch die Adress- und Telefonbücher bis zur heutigen Drogerie in der Knesebeckstraße nachvollzogen werden.
1916 zieht die Drogerie in die Lietzenburger Straße 33, wo sich das Geschäft für fast 30 Jahre befindet.
1920 übernimmt Rudi Mistéreck das Geschäft und wechselt 1943 den Standort. Er zieht zunächst in die Goethestraße 6, aber zum Kriegsende ist er Inhaber von drei weiteren Drogerien.
Die Nachkriegszeit ist sehr gut durch Unterlagen im Wirtschaftsarchiv belegt, weil Rudi Mistéreck nach dem Krieg einen Aufbaukredit zur Beseitigung der Kriegsschäden beantragt hatte. Neben der Drogerie hatte er nach dem Krieg auch ein neues Geschäft für Parfüms am Reichkanzlerplatz 2, heute Theodor-Heuss-Platz, besessen.
1952 wird die Drogerie von Carl Mitzerlich übernommen. Knapp 10 Jahre später wechselt der Inhaber wieder. 1961 ist es dann Hans Lebenheim. Er erweitert den Geschäftsbereich um „Großhandel mit Drogen und Chemikalien sowie Aufstellung von Warenautomaten“. 1970 wird der Standort letztmalig geändert. Die Drogerie zieht in die Knesebeckstr 13-14, wo sich die Saxonia Drogerie heute noch befindet. Am 23.12.1983 verstirbt Hans Lebenheim und sein Sohn Lutz Lebenheim übernimmt das Geschäft. Lutz Lebenheim hatte vorher bereits eine Drogerie in der Prinz Eugen Straße.

Abb. 02: Hinterer Teil der Drogerie Saxonia mit damals noch typischen Braunglasflaschen und Porzellangefäßen (Foto: Hannelore Ellersiek, S. 71, 2008)
Im Januar 1993 kauft Günter Müller die Drogerie. Die heutige Inhaberin, seine Tochter Claudia Czekalla, arbeitet vom ersten Tag im Geschäft mit und übernimmt es 1999. Zuvor war sie in dem anderen Familienunternehmen, der Drogerie Müller in Schmargendorf, Reichenhallerstraße 2 in die Lehre gegangen und war seitdem in den Drogerien der Familie tätig.
In einem Gespräch mit Hannelore Ellersiek über das Sortiment der Drogerie Saxonia sagt Claudia Czekalla „Selbstverständlich führen wir die gesamte Palette der ‚normalen‘ Drogerieartikel und Parfums führender Hersteller. (…) Darüber hinaus verkaufen wir Rasierpinsel, Wildschweinbürsten, Chemikalien und Grundstoffe zur Kosmetikherstellung (…) Eine Besonderheit ist unser ‚Weinzubehör‘, Materialien und Erzeugnisse zur Herstellung von Wein und Bier. (…) Produkte zu Schädlingsbekämpfung (…).“ (1)

Abb. 03: Das Regal von Abb. 2 im Jahre 2024, jetzt ein Regal mit Rasierutensilien jeder Art (Foto: Roman Goerkis)
Text: Roman Goerkis
Quellen
(1) Ellersiek, Hannelore: Von der alten Apotheke bis zum Zauberladen. Traditionelle Läden in Berlin. Erfurt: Sutton Verlag, 2008, S. 70.

