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Berliner Laufbildprojektoren (5) – Erko und abschließene Überlegungen

Die Geschichte des Films ist untrennbar mit der Geschichte seiner Vorführtechnik verbunden. Während einige Namen weithin bekannt sind, gerieten viele kleinere Firmen in Vergessenheit – obwohl sie einst wichtige Innovationen in der Kinotechnik hervorbrachten. Archivpraktikant Felix Ulrich hat, ausgehend von dem Werk „Deutsche Laufbildprojektoren“ von Herbert Tümmel, einige dieser Unternehmen recherchiert. Im Rahmen der Serie „Berliner Laufbildprojektoren“, beschäftigt sich der letzte Artikel mit dem Unternehmen Erko.

Die Firma Erko wurde 1919 von den Werkzeugmachern Willi Erdmann und Heinrich Korth in Berlin-Moabit gegründet. Sie ist damit der Spätstarter in dieser Auswahl. Erdmann war zu diesem Zeitpunkt kein Unbekannter in der Kinotechnik – bereits seit 1912 betrieb er eine Reparaturwerkstatt für Kinomaschinen, in der er vor allem Projektoren der Firma Pathé Frères an deutsche Vorschriften anpasste. Seine Kenntnisse über Filmvorführtechnik und mechanische Präzisionsarbeit bildeten die Grundlage für die spätere Firmengründung.

1927: Erko II – Doppelmaschine. Aus: Tümmel, Herbert, S. 60

1920 trat Oskar Lange als kaufmännischer Partner in das Unternehmen ein, worauf-hin die Firma in Olag, Maschinenbau-gesellschaft, Berlin umbenannt wurde. Mit Lange sollte das Unternehmen wirt-schaftlich auf stabilere Füße gestellt werden, doch schon 1922 schied er wieder aus. Daraufhin kehrte man zum ursprünglichen Namen Erko zurück, unter dem die Firma fortan firmierte. Die folgenden Jahre waren von Wachstum und strukturellen Veränderungen geprägt. 1927 trat Walter Schubert als weiterer Gesellschafter in das Unternehmen ein. Ein Jahr später wurde der Ingenieur Dr. Jotzoff als Konstrukteur angestellt, dessen innovative Ideen zur technischen Weiterentwicklung der Erko-Projektoren beitrugen. Er blieb bis Ende 1938 im Unternehmen tätig. Die Firma schaffte es trotz großer Konkurrenz, sich zu behaupten und einen Namen zu machen.

Neben der Herstellung von Projektoren spezialisierte sich Erko auf die Produktion von Zubehör, das für den Kinobetrieb essenziell war. Dazu gehörten Filmkühlgebläse, Spiegelbogenlampen und Lichttongeräte, die den stetig wachsenden Anforderungen der Filmindustrie gerecht werden mussten. In den späten 1920er- und frühen 1930er-Jahren baute sich das Unternehmen einen Ruf als zuverlässiger Anbieter von Kinotechnik auf und exportierte seine Produkte nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern auch nach Europa, in die USA und bis nach Indien.

Werbeanzeige. Aus: Der Kinematograph. Nr 867/68 (1923). S. 9

Zu den Errungenschaften von Erko im Projektorenbereich zählten:

  • 1919: Einführung der Projektoren ERKO I und ERKO II als Platinenwerke.
  • 1923: Entwicklung des Gehäuseprojektors ERKO III mit Bildstrichkorrektur durch Höhenverstellung der Laufwerkplatine und einem Motoraufhängungssystem zur Stabilisierung.
  • 1927: Einführung des ERKO IV, zunächst mit Scheibenhinterblende, später mit Trommelblende (erstmals in Deutschland), sowie einer öldichten Höhenverstellung der Laufwerkplatine.
  • 1931: Präsentation des kombinierten Tonbildprojektors TB V, entwickelt unter der Leitung von Dr. Jotzoff, mit Fliehkraft-Feuerschutzklappen in der Trommelblende und einer gewichtsabhängigen Filmfriktion.
  • 1934: Einführung des ERTONOR, der mit oder ohne Lichttongerät geliefert werden konnte, mit Schwenkmechanismus für die Bildstrichkorrektur und gewichtsabhängiger Filmfriktion.
  • 1937: Vorstellung des ERKO SUPER mit zentraler Bildstrichverstellung, automatischer Filmschleifenkorrektur, Druckluftkühlung und weiteren technischen Verbesserungen.

1938 wurde Erko von einer Personengesellschaft in eine GmbH umgewandelt. Zweck dieser Unternehmung war laut Handelsregister „die Herstellung und der Vertrieb von kino- und projektionstechnischen Erzeugnissen und alle damit im Zusammenhang stehenden Rechtsgeschäfte“. [1]

Die Firma wurde kurz darauf von Bosch-Bauer übernommen. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte das Unternehmen rund 140 Mitarbeiter. Trotz der bis dahin erfolgreichen Entwicklung brachte das Jahr 1939 eine einschneidende Veränderung: Die Fertigung von Kinomaschinen wurde endgültig eingestellt. Damit endete die Geschichte von Erko als eigenständigem Unternehmen, und der Name verschwand aus der Branche, die es einst mitgeprägt hatte, während Bosch-Bauer weiterhin von dem eingekauften Wissen profitieren konnte.

1927: Erko IV. Aus: Tümmel, Herbert, S. 60

Abschließende Überlegungen

Zu guter Letzt soll noch einmal die Frage gestellt werden, was uns die Geschichten der vergangenen Wochen über die Frühzeit des Filmes und die zugehörige Technik in Deutschland verraten können. Obwohl alle diese Firmen teilweise sehr unterschiedliche Wege gegangen sind, lohnt es sich dennoch anzusehen, was diese Wege gemeinsam haben und was sie uns über diese Zeit erzählen, die uns einerseits so nah ist und manchmal doch so fern erscheint.

Die Geschichte der frühen deutschen Laufbildprojektoren zeigt eindrucksvoll, wie eng die technische Entwicklung von Projektionsgeräten mit der aufstrebenden Filmindustrie verknüpft war. Unternehmen wie Oskar Messter, Grass & Worff, die Deutsche Bioscop GmbH und Erko prägten nicht nur die Kinotechnik, sondern trugen auch maßgeblich zur Etablierung des Films als Massenmedium bei. Dass mit der Firma Erko nur eine einzige vertreten ist, die sich ausschließlich mit der technischen Seite des Filmgeschäftes befasst hatte, ist kein Zufall und zeigt die Verteilung in dieser frühen Zeit auf. Es war gang und gäbe, dass die handelnden Personen und damit ihre Firmen auf vielen Hochzeiten tanzten – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.

Die ständige Innovation in dieser frühen Zeit fällt ins Auge: Das Malteserkreuzgetriebe, die Optimierung der Blendentechnik und die Einführung von Lichttonprojektoren sind nur einige Beispiele für technische Meilensteine, die aus Deutschland kamen und den weltweiten Standard mitbestimmten. Gleichzeitig zeigen die Unternehmensgeschichten, wie sich die Filmindustrie zunehmend zentralisierte – kleinere Firmen wurden übernommen oder gingen in größeren Konzernen wie der UFA auf. Es ist wirklich erstaunlich: auch bei anderen Firmen, die sich im Rahmen dieser Recherche angesehen wurden, endete der Weg auf die eine oder andere Weise bei diesem frühen Titanen des Films.

Man kann sich die Frage stellen, was der deutsche Film hätte sein und werden können, wenn die Diktatur der Nationalsozialisten und der folgende Krieg nie passiert wären…

Neben den bekannten Namen wie Oskar Messter wird auch deutlich, dass viele Unternehmen, die heute in Vergessenheit geraten sind, dennoch bedeutende Beiträge zur Kinotechnik geleistet haben. Firmen wie Grass & Worff oder Erko schufen wichtige Innovationen, konnten sich aber langfristig nicht behaupten, ob durch den Zweiten Weltkrieg oder den zunehmenden Einfluss großer Konzerne, von denen sie geschluckt wurden. Da gleichzeitig die personellen Überschneidungen immer weiter zunahmen, lässt es sich aber auch gar nicht leicht beantworten, wer die Gewinner und Verlierer waren.

Die Geschichte der frühen Filmprojektion ist eine von rasantem Fortschritt, mutigen Erfindern und einem Markt, der ständig in Bewegung war. Technik, Wirtschaft und Kreativität waren dabei untrennbar miteinander verwoben – jede neue Innovation veränderte nicht nur die Projektoren selbst, sondern auch die Art, wie Filme produziert und erlebt wurden. Viele der Namen, die damals die Branche prägten, sind heute in Vergessenheit geraten, doch ihre Ideen und Errungenschaften leben weiter. Ohne ihre Pionierarbeit sähe das Kino, wie wir es heute kennen, ganz anders aus.

Text: Felix Ulrich

Quellen:

Tümmel, Herbert. Deutsche Laufbildprojektoren: Ein Katalog. Berlin: Stiftung Deutsche Kinemathek, 1986.

[1]Landesarchiv Berlin, A Rep. 342-02 : 57709

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