Archivgut
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Mehr als nur Staub: Einblicke und Abschied vom BBWA

Die letzten Wochen meines Praktikums im Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv (BBWA) sind wie im Flug vergangen. Es scheint, als wäre es erst gestern gewesen, dass ich meinen ersten Artikel verfasst habe, voller gemischter Gefühle und ohne eine klare Vorstellung davon, was mich in diesem Archiv erwarten würde. Doch was als ein erster, vorsichtiger Blick hinter die Kulissen eines Archivs begann, hat sich zu einer unglaublich lehrreichen und bereichernden Erfahrung entwickelt, die meine Sicht auf Archive verändert hat.

Eine meiner Hauptaufgaben in den letzten Wochen war die Erschließung eines umfangreichen Depositums von Ausbildungsunterlagen einer Kartografin und Unterlagen verschiedener Unternehmen. Diese Aufgabe erwies sich als ein faszinierendes Fenster in die regionale Wirtschaftsgeschichte. Es war unglaublich spannend, die Vielfalt der Materialien zu sichten, umzubetten und zu erschließen. Jede Akte erzählte eine eigene Geschichte, und es war meine Aufgabe, diese Geschichten zu entwirren und zugänglich zu machen. Dabei habe ich nicht nur mein Wissen erweitert, sondern auch die Bedeutung einer sorgfältigen und systematischen Erfassung für die Nutzbarkeit eines Archivs erkannt. Ohne diese detaillierte Erfassung wären diese Informationen für immer verloren oder unauffindbar.

Blatt aus dem Bestand einer Kartografin (BBWA N31/03).

Besonders ans Herz gewachsen ist mir die Umbettung von Archivgut. Ich bin mir bewusst, dass diese Aufgabe nicht bei allen Archivaren gleichermaßen beliebt ist. Viele empfinden sie als eintönig. Doch ich habe die Ruhe und Konzentration, die diese Tätigkeit erfordert, sehr genossen. Es ist etwas Besonderes, alte Akten und Dokumente in die Hand zu nehmen, sie vorsichtig zu behandeln und ihnen einen neuen, sicheren Platz zu geben. Dabei habe ich auf jeden Fall den Entklammerer als besten Freund gewonnen, denn es gibt eine Menge Metall zu entfernen. Jede umgebettete Akte ist ein gerettetes Stück Geschichte, das nun erhalten bleibt.

Die Arbeit im Archiv hat mir deutlich vor Augen geführt, dass Archivarbeit weit mehr ist als nur Staub und alte Akten. Es ist eine vielseitige und anspruchsvolle Tätigkeit, die ein breites Spektrum an Fähigkeiten erfordert. Neben der historischen Expertise, die natürlich unerlässlich ist, sind auch organisatorisches Talent, Sorgfalt und Kommunikationsfähigkeit gefragt. Eine Archivarin oder ein Archivar muss in der Lage sein, historische Dokumente zu verstehen und zu interpretieren und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Ich nehme aus meinem Praktikum im BBWA viele wertvolle Erfahrungen und Erkenntnisse mit. Ich habe nicht nur gelernt, wie ein Archiv funktioniert, sondern auch, wie wichtig Archive für unsere Gesellschaft sind. Sie bewahren unser Gedächtnis, ermöglichen Forschung und bilden die Grundlage für eine fundierte Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit.

Ich möchte mich von Herzen bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des BBWA für die herzliche Aufnahme und die tolle Betreuung bedanken. Ich habe mich vom ersten Tag an willkommen und wertgeschätzt gefühlt. Die Offenheit, Hilfsbereitschaft und das Engagement haben mein Praktikum zu einer unvergesslichen Erfahrung gemacht. Ich werde die Zeit hier in guter Erinnerung behalten und wertvolle Erfahrungen in den weiteren Verlauf meiner Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste mitnehmen.

Text: Melina Wiese

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