Die Geschichte des Films ist untrennbar mit der Geschichte seiner Vorführtechnik verbunden. Während einige Namen weithin bekannt sind, gerieten viele kleinere Firmen in Vergessenheit – obwohl sie einst wichtige Innovationen in der Kinotechnik hervorbrachten. Archivpraktikant Felix Ulrich hat, ausgehend von dem Werk „Deutsche Laufbildprojektoren“ von Herbert Tümmel, einige dieser Unternehmen recherchiert. Im Rahmen der Serie „Berliner Laufbildprojektoren“ beschäftigt sich der dritte Beitrag mit dem Unternehmen Grass & Worff.
Grass & Worff wurde 1870 in Berlin gegründet und war zunächst vor allem für ihre elektrotechnischen Erzeugnisse wie Großlautsprecher bekannt. Weniger bekannt ist die Tätigkeit der Firma im Bereich der Kinematografie, die maßgeblich von Walter Vollmann, dem Geschäftsführer und späteren Inhaber, geprägt wurde. Vollmann war seit dem 07.06.1907 Gesellschafter und beschäftigte sich ab 1905 mit Fotografie und Kinematografie, was 1907 zur Entwicklung des ersten Theaterkinos „Ge-We“, System Pathé, führte. 1914 brachte die Firma das Schießkino „Lebende Zielscheibe“ heraus, das 1915 zum transportablen UNIVERSAL-KINO weiterentwickelt wurde.

1907: Grass & Worff GE-WE Projektorwerk. Aus: Aus: Tümmel, Herbert, S. 84
In den 1920er-Jahren begann Grass & Worff mit der Entwicklung eigener Projektoren. Die Firma hatte ihren Sitz in der Markgrafenstraße 12, 1923 unter der Hausnummer 18 geführt. 1929 erfolgte die Umbenennung in „Grawor Lautsprecher-Fabrik“, was die zunehmende Fokussierung auf elektroakustische Produkte unterstrich. Dennoch blieb das Unternehmen in der Kinotechnik aktiv, bis es 1933 die Produktion von Laufbildwerfern einstellte.
Errungenschaften und Neuerungen:
- 1907: Einführung des Theaterkinos „Ge-We“, System Pathé.
- 1914: Schießkino „Lebende Zielscheibe“.
- 1915: Transportables UNIVERSAL-KINO für Haus, Schule und Vereine.
- 1922: Projektor PESTALOZZI, ein rein deutscher Typ mit Malteserkreuzgetriebe, erhältlich als PESTALOZZI B mit 1.000-W-Glühbirne.
- 1921: GRAWO, ein Schrankprojektor für 400 m Normalfilm mit Endlosbetrieb, später weiterentwickelt zur GRAWOR C mit 15-V/50-A-Niedervoltlampe.
- 1929: Einführung des MATADOR C, einer tragbaren Version des GRAWOR C in einem Holzkoffer.
- 1933: Ankündigung des Stahlprojektors MARKANT auf der Frühjahrsmesse Leipzig; unklar, ob er in Serie produziert wurde.

Eine Besonderheit ca. 1929: Grass & Worff GRAWOR C Schrankkino. Aus: Tümmel, Herbert, S. 86
Wirtschaftlich stand Grass & Worff in den 1930er-Jahren solide da – die Bilanz vom 31. Dezember 1937 verzeichnete ein Vermögen von 963.809,68 Reichsmark, das bis Ende 1939 auf 965.496,10 Reichsmark anstieg. Doch der Zweite Weltkrieg hinterließ schwere Spuren. 1947 stellte das Unternehmen eine Anfrage an das Handelsregister, da durch den Krieg sämtliche Unterlagen verloren gegangen waren. Der endgültige Niedergang kam 1953 mit dem Tod Walter Vollmanns. In den folgenden Monaten häuften sich Nachfragen zum Fortbestand der Firma, doch ohne seinen langjährigen Inhaber geriet das Unternehmen zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Schließlich musste seine Witwe, Frieda Vollmann, Insolvenz anmelden. Am 10. April 1954 wurde der Gewerbebetrieb abgemeldet, und 1955 erlosch Grass & Worff endgültig im Handelsregister.
Text: Felix Ulrich
Quellen
Tümmel, Herbert. Deutsche Laufbildprojektoren: Ein Katalog. Berlin: Stiftung Deutsche Kinemathek, 1986.
Landesarchiv Berlin, A Rep. 342-02 : 21247

