„Ein frohes, gesundes Weihnachtsfest und ein erfolgreiches Neues Jahr wünschen wir allen unseren Geschäftsfreunden. Wir möchten dabei nicht versäumen, Ihnen für das uns im alten Jahr erwiesene Vertrauen zu danken.“
So leitete der Lebensmittel- und ehemalige Kolonialwarenhändler Emil Herrmann KG seinen „Marktbericht“ über den Kaffeeabsatz zu Weihnachten 1958 ein und berichtet weiter über den Kaffeemarkt. Wie es weitergeht und warum der Kaffee 1958 zu billig war. lesen Sie weiter unten.
BBWA zum Jahreswechsel

Weihanchtliche Kerze aus Emil Herrmanns Marktbericht (K1/01/014 803)
Über sinkende Preise können wir im Jahr 2024 nicht klagen, leider, dafür aber einige Erfolge verbuchen: So haben wir 2025 den Bestand es Bankhauses Kroch („U9/09 AG für Haus- und Grundbesitz (vorm. Bankhaus Kroch)“) im Umfang von 18 lfm. verzeichnet, 1877 in Leipzig gegründet, seit 1922 in Berlin vertreten, seit 1965 endgültig auch mit seinem Sitz. Die Kroch-Restitution mit 26 Einzelgesellschaften entwickelte sich zum zweitgrößten der Bundesrepublik nach der Rückerstattung des Wertheim-Vermögens. Überdies wurden 2024 weitere Teil der Berliner Handwerksrolle für die Online-Recherche bereitgestellt: https://www.bb-wa.findbuch.net/php/main.php#4b352f32. Hier können die Eintragungen (Karteikarten) zu 123.000 Berliner Handwerksbetrieben und Handwerkern recherchiert werden. Weitere knapp 17.000 Handwerkern in Produktionsgenossenschaften des Handwerks (PGH) sind ebenfalls in den Startlöchern, um 2025 online gehen zu können. Ebenfalls im nächsten Jahr steht die Bearbeitung der zweiten Hälfte der Handwerksrolle Berlin (West) mit weiteren knapp 50.000 Karteikarten an.
Vier Praktikantinnen und PraktVikanten haben unsere Arbeit engagiert und tatkräftig unterstützt und so wurden bei der Verzeichnung einige Lücken geschlossen: Braunkohle- und Brikett-Industrie AG (Bubiag), Esso Berlin, Berliner Bock-Brauerei AG, Hans E. Fuisting Ingenieurbüro, Zeidler & Wimmel, Schwintzer & Gräff, FDGB, Bundesverband Druck + Medien (noch nicht abgeschlossen) sowie die VEB Elektro-Apparate-Werke „Friedrich Ebert“ sind nun erschlossen und werden sukzessive bei findbuch.net zur Recherche online gestellt.
Die Bestände erhielten Zuwachs mit Teilen der Überlieferung der Gegenbauer-Holding, des Verlages Simon für Bibliothekswesen, des Steinmetzbetriebes Adam Bühl & Franz Reuther, der Baugenossenschaft Freie Scholle eG, dem VEB Kombinat Kraftwerksanlagenbau (KAB), dem Natursteinbetrieb Zeidler & Wimmel, der Herlitz AG, der Tetra Pak GmbH Berlin und der Esso Berlin GmbH.
Unsere Beiden Industriekulturabende zur Bundesdruckerei und zum Wäschehaus Grünfeld waren beide sehr gut besucht und wurden mit großer Begeisterung aufgenommen – der Referentin und den Referenten sei Dank!
Unsere Industriespaziergänge erfreuten ebenfalls großer Beliebtheit und waren stets ausgebucht – insbesondere die Tour, die Tour, die sich mit Borsig, der Alkett und der Zwangsarbeit in Reinickendorf befasst und die wir dreimal angeboten haben.
Zum Jahresende erlitten wir mit den angekündigten Kürzungen im Berliner Haushalt den gleichen Schock wie die gesamte Kultur- und Bildungsbranche. Vorsichtig optimistisch können wir hoffen, dass wir bei den politischen Entscheidungsträgern mit unseren Argumenten durchgedrungen und mit dem bürgerschaftlichen Rückenwind aus der Stadt für alle betroffenen freien Träger das dräuende Schicksal abwenden können, wofür wir dankbar sein werden.
Dankbar sind wir auch dem hohen Einsatzwillen, dem nicht ermüdenden Engagement und der anhaltend guten Laune unserer Koleginnen Beate Bohm, Tania Estler-Ziegler und Kendra Rix sowie unseres Kollegen Constantin Fontaine. Nicht zuletzt danken wir auch den Ehrenamtlichen , die uns 2024 unterstützt haben – in den Gremien oder durch fleißige Heimarbeit beim Transkribieren, hier namentlich Bernd Liebig.
Nun wünschen wir Ihnen, liebe Freundinnen und Freunde des Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchivs, gesegnete und friedvolle Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr!
Das BBWA erreichen Sie ab dem 6. Januar wieder wie gewohnt.
Emil Herrmann KG und der Kaffeepreis 1958

Kaffee zu Weihnachten (Bing Image Creator)
„Wenn Sie unsere Marktberichte laufend verfolgt haben, so werden Sie zu dem Resultat gekommen sein, dass unsere Prognosen voll und ganz zutrafen.
In allen Kaffeeländern ist trotz mehrfacher Konferenzen kein Weg gefunden worden, um den Ueberhang an Kaffee auf irgendeine Art schneller abzudecken.
Aus diesem Grunde ist auch heute noch nicht zu übersehen, wann die Langsamen Preisrückgänge zum Stillstand kommen und welche Folgen die ständig absinkende Preistendenz haben wird. Unseres Erachtens kann dieses nur mit einer radikalen Einschränkung im Kaffeeanbau erreicht werden.
Zur augenblicklichen Lage am Kaffeemarkt wäre zu sagen, dass auch für spätere Termine ein wesentlicher Preisrückgang zu verzeichnen ist, es herrscht gerade eine komische Situation, die dadurch zum Ausdruck kommt, dass im Augenblick ein Unterschied zu Loko und in 4-Wochen greifbarer Ware von 5 % und in 8 Wochen greifbarer Ware sogar 25 % besteht. Sie werden verstehen, dass hierin für den Importeur und auch für den Röster beträchtliche Gefahren liegen.
Aus diesem Grunde raten wir unseren Freunden, nur vorsichtig zu disponieren, damit die später billiger hereinkommenden Kaffees sofort abgenommen werden können.
In Kenyas ist die oben geschilderte Lage nicht ganz so zutreffend. Für gute hochfein Kenyas A muss der Importeur auch heute noch bis zu DM 3,3 cif Hamburg anlegen. Kenya PB mit feiner voller Säure sind gleichpreisig. Es ist und möglich, Sie in diesen besten Sorten zufrieden zu stellen.
Wir stehen Ihnen auch weiterhin gern beratend zur Seite und empfehlen uns Ihnen
mit vorzüglicher Hochachtung
Emil Herrmann
Kommanditgesellschaft“

Weihnachtlicher Marktbericht der Emil Herrmann KG zum Thema „billliger Kaffee“ (BBWA K1/01/014 803)
Bilder: (c) BBWA und Bing Image Creator (frei)

