Wirtschaftsgeschichte
Schreibe einen Kommentar

Unter der Lupe – Die graphische Kunstanstalt Meisenbach, Riffarth & Co

Um die Geschichte des Unternehmens Meisenbach, Riffarth & Co. zu erzählen, müssen wir erst etwas über die zwei Gründer nämlich Georg Meisenbach und Heinrich Riffarth erfahren.Georg Meisenbach, geboren 1841 in Nürnberg, zeigte schon früh zeichnerisches Talent und erlernte in der bekannten Carl Mayerschen Kunstanstalt das Handwerk des Stahl- und Kupferstechers. Die Hochzeit mit einer reichen Juwelierswitwe bot ihm die Mittel nach München zu ziehen und sich seinen Forschungen zu widmen. Dort gründete er 1876 eine Chemigraphische Kunstanstalt und arbeitete eng mit seinem guten Freund, Josef Ritter von Schmädel, zusammen. In München entwickelte er schließlich die Autotypie (Rasterdruck) und meldet diese 1881, sowohl in Deutschland als auch in vielen anderen europäischen Ländern, zum Patent an.

Heinrich Riffarth hatte an der Fachschule für Fotographie und Reproduktionsverfahren in Salzburg und bei  Angerer und Göschl in Wien gelernt und 1886 in Berlin seine eigene Firma gegründet und zwar eine photographische Kunstanstalt. Er war ein bekannte Fotograf und Hobby-Insektenkundler und besaß eine beeindruckende Sammlung von Schmetterlingen. Zudem veröffentlichte er mehrere Artikel in entomologischen Fachzeitschriften.

Georg Meisenbach (1841-1912) (Foto: BBWA/A. Meinecke)

Georg Meisenbach (1841-1912) (Foto: BBWA/A. Meinecke)

1892 erfolgte die Fusion zwischen den beiden Unternehmen. Georg Meisenbach hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon aus dem Geschäftsleben zurückgezogen, sein Sohn August hatte ein Jahr zuvor die Firmenleitung übernommen. Zusätzlich zur Münchener Filiale richtete man sich zunächst in der Bendlerstr 13 ein, der alten Adresse von Riffarth & Co. Ein Jahr später zog man schliesslich in das neuerworbene Gebäude in der Hauptstr. 7A, das für mehr als 100 Jahre das Zuhause der Firma sein sollte. Zwei Jahre später, 1894, folgte noch eine Filiale in Leipzig. In den folgenden Jahren erlangte die Firma weltweite Anerkennung und erhielt im Jahre 1900 in Paris den Großen Preis der Weltausstellung.

Meisenbachhöfe (Foto: BBWA/A. Meinecke)

Meisenbachhöfe (Foto: BBWA/A. Meinecke)

Doch nur wenige Jahre später musste die Firma einige Schicksalsschläge hinnehmen, am 21. Januar 1908 verstarb nach längerer Krankheit Heinrich Riffarth im Alter von nur 47 Jahren. Vier Jahre später folgte ihm Georg Meisenbach, im Dezember 1922 dann August Meisenbach. Die Leitung übernahm nun Jakob Wochinger, der Schwiegersohn von August Meisenbach. Dieser wandelte 1923, mit der Hilfe des Bankhauses H. Aufhäuser, die Firma in eine Aktiengesellschaft um. In den folgenden Jahren gewährte H. Aufhäuser der Firma hohe Kreditsummen, ihr Komplementär Emil Krämer war zeitweise Vorsitzender des Aufsichtsrates und entließ in dieser Funktion Wochinger 1933 aus dem Vorstand. Meisenbach, Riffarth und Co geriet Ende der 20er Jahre in finanzielle Schwierigkeiten und man machte Wochinger dafür mitverantwortlich. Wochinger war jedoch Mitglied in der NSDAP und sah nun, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, seine Chance, sich an dem jüdischen Bankhaus H. Aufhäuser zu rächen. Er diffamierte das Bankhaus und Emil Krämer mit Schmähbriefen an die Deutsche Arbeitsfront (DAF), in der er auch selbst Mitglied war, und an das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft. Er beschäftigte mit seinem Anliegen sogar die Gerichte und erstattete Anzeige gegen den Vorstandsvorsitzenden und die Aufsichtsräte und beschuldigte sie, Betrug begangen zu haben. Doch alle seine Bemühungen waren vergebens, er bekam weder seinen Vorstandsposten zurück, noch wurde einer der Beteiligten verurteilt, die Zeit war noch nicht reif dafür.

Ab 1936 war Wilhelm Gründler alleiniger Vorstand, sein eigener Verlag, der sich auf Publikationen aus der Filmwelt spezialisiert hatte, musste den Betrieb einstellen, er war nicht Mitglied in der NSDAP und bekam kein Papier mehr zugeteilt. Er konzentrierte sich auf seine Arbeit bei Meisenbach, Riffarth & Co. Während des Krieges erlitt die Firma innerhalb eines Jahres mehrere Fliegerschäden. Man lagerte die Produktion in Pachtbetriebe aus, jedoch wurden auch diese zerstört. Die vom Amt für Kriegsschäden genehmigten Zahlungen deckten nicht annähernd die anfallenden Kosten zur Wiederaufnahme der Produktion.

Wilhelm Gründler war noch bis zu seinem Tode im Jahre 1953 alleiniger Vorstand der Firma. Ihm folgten verschiedene Vorstände, bis im Jahre 1958 die Graphischen Kunstanstalten Bruns & Stauff die Mehrheit an Meisenbach, Riffarth und Co erwarben und 1961 ihr Besitzer Konsul Ferdinand Stauff den Vorsitz des Aufsichtsrates übernahm. 1970 erfolgte die Umwandlung in eine GmbH und ein Jahr später fusionierte man mit Bruns & Stauff, der neue Firmenname war nun: Meisenbach, Riffarth & Co – Bruns & Stauff GmbH Vereinigte Graphische Kunstanstalten.

Im Jahre 1994, 102 Jahre nach ihrer Gründung, meldete die Firma Konkurs an. Die ehemaligen Firmengebäude befinden sich noch immer in der Hauptstraße in Schöneberg und tragen den Namen ihres berühmten Gründers: Meisenbachhöfe!

Meisenbachhöfe (Foto: BBWA/A. Meinecke)

Meisenbachhöfe (Foto: BBWA/A. Meinecke)

Text: A. Meinecke

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.