Die Geschichte des Films ist untrennbar mit der Geschichte seiner Vorführtechnik verbunden. Während einige Namen weithin bekannt sind, gerieten viele kleinere Firmen in Vergessenheit – obwohl sie einst wichtige Innovationen in der Kinotechnik hervorbrachten. Archivpraktikant Felix Ulrich hat, ausgehend von dem Werk „Deutsche Laufbildprojektoren“ von Herbert Tümmel, einige dieser Unternehmen recherchiert. Im Rahmen der Serie „Berliner Laufbildprojektoren“ sollen diese beleuchtet werden.
Viele Archive haben nicht nur umfangreiche Aktenbestände, sondern tun sich auch mit spezialisierten und sorgfältig zusammengestellten Bibliotheken hervor. Das BBWA ist dafür ein gutes Beispiel. Es gibt eine umfangreiche Sammlung von Büchern mit wirtschaftlichem und wirtschaftshistorischem Fokus. Von Unternehmensbiografien über Ziegelherstellung bis zu einer Sammlung über Berlin ist alles dabei. So eine umfangreiche Bibliothek erfordert viel Pflege und von Zeit zu Zeit einiges an Kreativität, um die Vielzahl an Beständen unterzubringen. Dabei kommen einem so allerlei Bücher über Themen in die Hand, von denen man nicht die entfernteste Ahnung hat. Für mich war das jedenfalls beim Thema Laufbildprojektoren der Fall. Mir fiel das Buch „Deutsche Luftbildprojektoren: Ein Katalog“ von Herbert Tümmel in die Hände.
Laufbildprojektoren also… Ein spannendes Büchlein, welches sich den Firmen und Modellen widmet, die insbesondere in der Frühzeit in Deutschland auf dem Markt waren. Darunter sind so bekannte Namen wie AEG oder Askania. Um diese soll es hier aber nicht gehen. Hier werden einige der unbekannteren Namen betrachtet, welche insbesondere in der Boomzeit des Films und Stummfilms von 1900-1930 aktiv waren, aber auch darüber hinaus. Es wird sich zeigen, dass die Entwicklung von Vorführgeräten und der Filme selbst gerade in der Frühzeit untrennbar miteinander verknüpft war. Bevor es aber um die Firmen gehen soll, schauen wir uns zuerst einmal grob die Entwicklung in Deutschland an. Die Informationen dazu stammen auch aus dem erwähnten Buch und sind sporadisch ergänzt worden.
Während die Brüder Lumière 1895 ihre ersten Filme präsentierten, zeigten die Brüder Skladanowsky im selben Jahr öffentlich ihre „lebenden Bilder“. Zahlreiche Erfinder entwickelten damals nicht nur Kameras, sondern auch Wiedergabegeräte, wobei die Projektion zunächst nicht als selbstverständlich galt. Selbst Thomas Edison baute nur ein Betrachtungsgerät (Kinetoskop), aber keinen Projektor. Die industrielle Herstellung von Kinoprojektoren begann früh in Deutschland, insbesondere mit Oskar Messter, der 1896 seinen ersten Projektor lieferte und als Begründer der deutschen Kino- und Filmindustrie gilt. In den folgenden Jahrzehnten entstanden zahlreiche Hersteller, insbesondere in Berlin, aber auch in anderen deutschen Städten. Die Entwicklung lässt sich in drei Epochen unterteilen: bis zum Ersten Weltkrieg (1896–1914), zwischen den Weltkriegen (1919–1939) und nach dem Zweiten Weltkrieg (ab 1945). Während bis 1914 Firmen wie Liesegang, Ernemann und Bauer die Branche prägten, kamen nach 1919 weitere Hersteller wie AEG und Leitz hinzu. Nach 1945 überlebten nur wenige Unternehmen, darunter Bauer und Zeiss Ikon, während neue Firmen wie Askania und Frieseke & Höpfner entstanden.

1902: Maltheserkreuzgetriebe als technische Innovation bei Messter. Aus: Tümmel, Herbert, S. 132
Technische Innovationen spielten eine zentrale Rolle. Die Handkurbel wurde durch elektrische Motoren ersetzt, was eine stabile Vorführgeschwindigkeit ermöglichte. Der intermittierende Filmtransport erfolgte zunächst durch primitive Mechanismen, bevor sich das Malteserkreuzgetriebe als Standard etablierte. Die Projektion wurde durch Umlaufverschlüsse optimiert, wobei sich die Hinterblende durchsetzte, die den Film besser vor Hitze schützte. Die Einführung von Wasserkühlung (ab 1933) verbesserte die Filmprojektion weiter.
Mit der Einführung des Lichttons (ab 1929) wurden Projektoren entsprechend angepasst. In den 1930er Jahren kamen Versuche mit stereoskopischer (3D) Projektion und ersten Formen der Stereo-Tonwiedergabe hinzu. Nach 1954 führten Xenonlampen zu einer deutlich helleren Projektion, und moderne Filmtransportsysteme wie „Türme“ und „Teller“ wurden ab 1968 eingeführt. Während Deutschland bis zum Zweiten Weltkrieg ein führender Exporteur von Projektoren war, änderte sich dies nach 1945 durch den Konkurrenzdruck aus Italien und den Niederlanden. Dennoch blieb die technische Entwicklung in Deutschland auf hohem Niveau und prägte die Kinoprojektion nachhaltig.
So viel zur Entwicklung der Projektorentechnik in Deutschland. Im nächsten Teil wollen wir uns einer konkreten Firma widmen. Zu den Unternehmen sei noch gesagt, dass ihre Auswahl auch danach erfolgte, ob dem Autor eine zufriedenstellende Anzahl an Quellen zur Verfügung stand, um insbesondere ihre Aktivität im Bereich der Projektoren nachzuvollziehen. Hier unerwähnt bleiben viele Berliner Firmen, deren Anteil damit nicht geschmälert werden soll.
Text: Felix Ulrich
Hauptquelle:
Tümmel, Herbert. Deutsche Laufbildprojektoren: Ein Katalog. Berlin: Stiftung Deutsche Kinemathek, 1986.

