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Kleinstbestände im BBWA – Was von Wilhelm Mattschaß bleibt

Vor nicht allzu langer Zeit wurde uns ein Katalog mit dem schlichten Titel „Qualitätswerkzeuge“ übergeben. Der Katalog enthält eine stattliche Auflistung allerlei Werkzeuge von Zangen über Winkel bis Sägen. Doch der einzige Hinweis über die Herkunft dieses so unscheinbar wirkenden Fundstücks offenbart eine lange Geschichte.

Bei diesem Hinweis handelt es sich um einen einfachen Stempel, der sowohl die vordersten als auch die letzten Seiten des Buches ziert: „Wilhelm Mattschaß“ – der Firmenname und die beistehende Adresse lenken den Blick auf ein über hundert Jahre wirkendes Familienunternehmen aus Berlin.

Den Stempel aufgedrückt (BBWA)

Den Stempel aufgedrückt (BBWA)

1863 gründete Carl Friedrich Wilhelm Mattschaß auf dem Grundstück seiner Familie die „Eisenwaren- und Haushaltshandlung Wilhelm Mattschaß“. Unter seinen Söhnen entwickelte sich das kleine Geschäft in der Berliner Straße 67 (heute: Otto-Suhr Allee) zu einem bedeutenden Unternehmen der Eisenwarenbranche. Das Unternehmen wurde nach dem Ableben der direkten Erben Wilhelm Mattschaß‘ in eine offene Handelsgesellschaft umgewandelt. Bis 1943 vergrößerten sich das Unternehmen und sein Sortiment, bevor es im November 1943 den Bomben zum Opfer fiel.

Werkzeugkatalog (BBWA S 2/13/396)

Werkzeugkatalog (BBWA S 2/13/396)

Nach dem Krieg wurde der Enkel Christian Mattschaß Alleininhaber der Firma und baute sie wieder auf. Die Familie hat ebenfalls an dem Aufbau des Fachverbands für Elektronik-Design (FED) mitgewirkt und gehörte so zu den ersten Mitgliedsfirmen dieser Gemeinschaft. 1969 übertrug Christan Mattschaß die Firma seinem Sohn Hans-Georg.

Dieser übernahm die Firma mit 10 Beschäftigten und einem guten Umsatz. Er entschied sich, das Geschäft erneut zu vergrößern, und verlegte es in die Kaiser-Friedrich-Straße. Doch offenbar ging diese Rechnung nicht auf. 1985 musste Hans-Georg Mattschaß die Firma nach mehreren Mahnungen mit nur noch zwei verbliebenen Mitarbeitern verkaufen. Der Käufer führte den Betrieb weitere sieben Jahre, doch auch er musste 1991 schließen.

Der Name „Wilhelm Mattschaß“ jedoch hat die Zeit überstanden und auch heute noch erinnert der unscheinbare Katalog, der im Wirtschaftsarchiv nun die Signatur S2/13/396 trägt, an eine Zeit, als das Unternehmen blühte.

P. Primpke

Zangen für den Werkzeughandel (BBWA S2/13/396)

Zangen für den Werkzeughandel (BBWA S2/13/396)

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