Aktuell, Archivgut
Schreibe einen Kommentar

Jungfräulich reines Aluminium von Eduard Sommerfeld

Eduard Sommerfeld gründete die nach ihm benannte Firma „Ed. Sommerfeld Metallwarenfabrik und Aluminiumwerk“ am 01.04.1875 in Berlin. Der Markenname der Aluminium-Produkte war „Virgo Rein-Aluminium“ – auf Brotdosen, Kaffeeflaschen, Feldflaschen und Dosen.

Anfangs ein Handwerksbetrieb, der vor allem Sturmlaternen herstellte, wuchs er über die Jahre zu einer Fabrik. Nach 1900 entwickelte der Gründer mit der Firma Berg aus Lüdenscheid die Herstellung von nahtlosen Flaschen aus Aluminiumblech, ein wichtiges Produkt für die Firma, das nicht nur von der Reichswehr, sondern auch ausländischen Armeen wie etwa der türkischen verwendet wurde. Die Herstellung von Sturmlaternen wurde 1926/27 aufgegeben, da der Exportmarkt durch den Ersten Weltkrieg verlorenging. Zur dieser Zeit entwickelte die Firma ein Programm zur Herstellung von Campinggegenständen, da die gesellschaftlichen Strömungen „zurück zur Natur“ in Abkehr von der maschinisierten Moderne Zelten und Wandern zu marktwirksamen Beschäftigungen haben werden lassen.

Anzeige der Fa. Sommerfeld (BBWA)

Im Zweiten Weltkrieg lieferte Sommerfeld Armeezubehör und nach Kriegsende Feldflaschen und Feldkochgeschirre auch an die sowjetischen Besatzungstruppen. Danach wurden mit zeitweilig bis zur 175 Angestellten vor allem Kochgeschirre aus Umschmelzmaterial hergestellt. Die Erträge hieraus ermöglichten die Beseitigung der größten Kriegsschäden. Während der Blockade wurden Haushaltsgegenstände hergestellt, ERP-Kredite ermöglichten den Wiederaufbau des Camping-Programms.

„Als einzige Westberliner Aluminiumfabrik fertigt die Firma Ed. Sommerfeld Aluminium- und Metallwarenfabrik, Berlin SO 36, Skalitzer Straße. 32/33, ein umfangreiches Sortiment in Aluminiumwaren für Beruf, Sport, Reise, Camping und Haushalt“, schreibt die IHK-Zeitschrift „Berliner Wirtschaft“ am 9. Oktober 1954, also vor genau 55 Jahren.

Briefkopf mit Fabrikansicht der Fa. Ed. Sommerfeld (BBWA U3/7/797)

Im Verlauf der 1950er fertigte die Konkurrenz in Westdeutschland jedoch höherwertige Haushaltsgegenstände. Ab 1954 stagnierte der Umsatz aber vor allem wegen der zunehmenden Konkurrenz durch Plastikprodukte. Der Aufbau einer eigenen Plastikwarenherstellung wurde 1955 begonnen, aber konnte nicht rentabel gestaltet werden. am 3. November 1958 stellte die Fa. Sommerfeld den Antrag auf Eröffnung des Vergleichsverfahrens zur Abwendung des Konkurses, der aber 1961 noch abgewendet werden konnte.

Am 19. November 1960 verstarb der Sohn des Gründers, Dr.-Ing. Richard Sommerfeld, ihm folgte sein Sohn als Alleininhaber. 1964 hatte die Firma 36 Angestellte und sechs Auszubildende und rund 1,2 Millionen DM Umsatz – aber das täuschte über den Zustand des Unternehemsn hinweg. Es erlag dem Konkurrenzdruck und zeigte am 3. August 1965 nach neunzigjährigem Bestehen Konkurs an.

 

Text: Malte Müller

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.