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Von Perlen, Stellvertretern und Konkordanzen – Abschlussbericht meines dreimonatigen Praktikums

Am ersten Tag meines Praktikums sah ich mich mit der Herausforderung konfrontiert, zu einem Berliner Unternehmen zu recherchieren und – oh Schreck – einen Text dazu zu verfassen, in dem ich auch meine Erwartungen an das Praktikum formuliert habe. So weit, so gut.

Jetzt sitze ich wieder vor einem leeren Word-Dokument…

Inzwischen sind drei Monate wie im Fluge vergangen. In diesen drei Monaten habe ich die Gelegenheit bekommen, auf sehr vielfältige Art und Weise die Arbeit in einem Archiv kennenzulernen.

Begonnen habe ich mit der Recherche zur ehemaligen Likörfabrik Wilhelm Lenz. Dafür habe ich verschiedene Rechercheinstrumente eingesetzt, wie alte Handelsregister und die Datenbank der ZLB, in dem die Berliner Adressbücher von 1799-1970 in digitalisierter Form vorliegen. Später folgte die Recherche zur Firma Heckert & Co.

Als nächstes durfte ich die Nachlieferungen des Bundesverbands Öffentlicher Dienstleistungen und der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft verzeichnen. Für ersteren habe mich wochenlang durch viele, viele Sitzungsprotokolle von wissenschaftlichen Fachausschüssen, Vortragsmanuskripte, Gesetzentwürfe und Briefe durchgewühlt und in die für mich neue Archiv-Datenbank AUGIAS eingearbeitet. Danach habe ich die Sammlungen zum Druckgewerbes Berlin und Zeitungsausschnitte zur Dokumentation Unternehmensgeschichte Berlin/Brandenburg in AUGIAS erfasst. Während dieser Zeit habe ich festgestellt, wie viel Spaß es mir macht, großen Aktenbergen zu Leibe zu rücken, mir schmutzige Finger zu holen und den vielfältigen Inhalt dieser Akten – Protokolle, Briefe, Listen, Broschüren, Zeitungsartikel, Fotos etc. – in zusammengefasster Form in die Datenbank zu überführen.

Eine weitere Erkenntnis für mich ist, welchen Reiz es hat, mit Hilfe vielfältiger Quellen und Recherche-Instrumente zu unterschiedlichen Berliner Unternehmen zu recherchieren und diese Ergebnisse in einen Text fließen zu lassen. Auch wenn es mir nach wie vor nicht leicht fällt. Aber auch das ist, wie ich feststellen konnte, alles eine Frage der Übung. Ich hoffe also, ich werde in Zukunft noch viele Gelegenheiten haben, mich darin zu üben.

Sehr gern habe ich auch die Arbeit im Magazin verrichtet, also Akten ausgehoben und reponiert. Und immer, wenn zwischendurch Zeit war, mit Frau Estler-Ziegler die Liste der Lokaturen vervollständigt.

Ein weiteres Aufgabenfeld war die Nutzerbetreuung.

In besonderer Erinnerung wird mir der Nutzer bleiben, der sich leidenschaftlich einen Bestand  interessiert hat. Für ihn habe ich hunderte von Schriftstücken und Prospekten von Petroleum-Lampen eingescannt.

Eine willkommene Abwechslung zur manchmal trockenen Aktenarbeit war die Mitarbeit beim Industriekulturabend zum Thema Modemetropole Berlin und der Besuch des Kooperationspartners Faktura am Tag der Offenen Tür. Besonders interessant war dort die Besichtigung der Digitalisierungsabteilung, in dem die Fotos unseres Holzmann-Bildarchivs digitalisiert werden. Sehr spannend war auch die Führung durch das Landesarchiv Berlin, welches sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Wirtschaftsarchiv befindet.

Sondernummer des Wochenblatts für Papierfabrikation (BBWA Z 207/1927)

Unerledigt ist leider die Neubeschriftung der Ordner zur Dokumentation Unternehmensgeschichte geblieben, die mir die ganze Zeit in den Fingern juckte, die Lokaturen-Liste sowie die Erschließung von alten Zeitschriften. Ich muss also noch mal wiederkommen…

Zusammenfassend bleibt mir zu sagen, dass ich die letzten drei Monate sehr positiv und intensiv erlebt habe. Ich habe mich hier sehr wohlgefühlt, was ich in erster Linie Frau Estler-Ziegler und Herrn Berghausen zu verdanken habe, die mich voll und ganz in den kleinen Kollegenkreis aufgenommen haben. Beide haben sich viel Zeit genommen, mir alle Fragen rund um das Thema Archiv, die sich mir im Laufe der Zeit gestellt haben, zu beantworten und praktisch zu veranschaulichen.

Seinen Zweck hat dieses Praktikum für mich insofern erfüllt, dass ich mich zukünftig beruflich auf die Arbeit in einem Archiv konzentrieren und dies sehr gern mit einer Umschulung zur Fachangestellten für Medien und Informationsdienste mit der Fachrichtung Archiv beginnen möchte.

Vielen Dank für die tolle Zeit!

Text: Beate Bohm

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