Von Februar bis Juli 2026 war ich ehrenamtlich im Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv e.V. tätig. Auf dieses Archiv kam ich durch eine Recherche zu Wirtschaftsarchiven im Raum Berlin. Die Homepage wirkte sehr sympathisch, und die dort beschriebene Option zur ehrenamtlichen Arbeit brachte mich auf eine Idee: Warum nicht die Zeit der Jobsuche produktiv mit einer ehrenamtlichen Tätigkeit verbinden?
Zunächst ging es darum, den zwei laufende Meter umfassenden Bestand des Simon-Verlags für Bibliothekswissen zu ordnen und zu erschließen. Der Bestand kam partiell ungeordnet zu uns und so gestalteten Erschließung und Titelbildung sich mitunter recht anspruchsvoll. Nach zwei Monaten war dieser Bestand bearbeitet und umfasste schließlich ein gutes Dutzend Archivkartons. In die hauseigene Bibliothek des Wirtschaftsarchivs integrierten wir zudem über 50 Bücher und damit nahezu das gesamte Verlagsspektrum des Simon-Verlags.

BBWA S2/15/630
Als Nächstes warteten zehn schuhkartongroße Kisten mit nach Jahren sortierten Ersttagsbriefen und Sonderpostkarten mit Sonderstempeln aus West-Berlin auf mich. Diese Sammlung aus den 1950er- bis 1980er-Jahren umfasst Tausende von Unikaten. Von der Post wurden und werden nicht nur spezielle Briefmarken herausgegeben, sondern auch Ersttagsbriefe und Sonderpostkarten mit sehr ansprechenden Motiven veröffentlicht. Zu diesen Motiven gibt es zudem passende Sonderstempel.

BBWA S2/15/425
Besonders ansprechend sind etwa Weihnachtskarten, aber auch Motive zum Berliner Porzellan oder zu den Berliner Verkehrsmitteln. An den teilweise politischen Botschaften der Motive aus West-Berlin – etwa dem Gedenken an die Luftbrücke oder Stempeltexten wie „Unteilbares Deutschland“ – lässt sich der Ost-West-Konflikt zur Zeit des Kalten Krieges gut erkennen. Dass dennoch ein Ersttagsbrief zum 100. Geburtstag Lenins herausgegeben wurde, ist in diesem Kontext umso überraschender. Die mitunter erzieherische Zielsetzung von Ersttagsbriefen zeigt sich außerdem in Motiven zur Verkehrssicherheit.

BBWA S2/15/602
Im Frühjahr 2026 löste sich die Brandenburgische Arbeitsgemeinschaft für Information (BRAGI) auf, die zu DDR-Zeiten in die Kammer der Technik eingebunden war. Die Unterlagen dieses Arbeitskreises, von denen ein Teil noch aus der Zeit vor der deutschen Wiedervereinigung stammt, gelangten im Juni 2026 in das Berlin-Brandenburgische Wirtschaftsarchiv. Da der Bestand nur wenige Ordner umfasste, erschloss ich ihn an einem Tag als willkommene Abwechslung zur Bearbeitung der Ersttagsbriefe. Die Überlieferung umfasst Vereinsunterlagen, Veranstaltungsdokumente sowie Korrespondenz und vermittelt einen anschaulichen Einblick in die Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaft.

Gratulation zum 25. Jubiläum für die AG(Z) Informtion/Dokumentation (später BRAGI) (BBWA V2/15/5)
Meine Zeit im Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv e.V. endet im Juli 2026, weil ich ab August eine Tätigkeit als Archivar im Umfeld der Deutschen Bahn aufnehme. Auf die spannende und lehrreiche Zeit im Wirtschaftsarchiv werde ich noch oft und gern zurückblicken.
Text: Konstantin Plich

