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Berliner Laufbildprojektoren (4) – Deutsche Bioscope-Gesellschaft

Die Geschichte des Films ist untrennbar mit der Geschichte seiner Vorführtechnik verbunden. Während einige Namen weithin bekannt sind, gerieten viele kleinere Firmen in Vergessenheit – obwohl sie einst wichtige Innovationen in der Kinotechnik hervorbrachten. Archivpraktikant Felix Ulrich hat, ausgehend von dem Werk „Deutsche Laufbildprojektoren“ von Herbert Tümmel, einige dieser Unternehmen recherchiert. Im Rahmen der Serie „Berliner Laufbildprojektoren“ beschäftigt sich der vierte Beitrag mit der Deutschen Bioscope-Gesellschaft.

Die Deutsche Bioscop GmbH wurde 1897 von Jules Greenbaum gegründet und entwickelte sich zu einem der bekanntesten deutschen Filmproduktionsunternehmen ihrer Zeit. Weniger bekannt ist, dass sich die Firma zunächst auch mit dem Bau von Filmprojektoren beschäftigte. Um diesen Bereich weiter auszubauen, wurde 1908 eine eigene Abteilung für Apparatebau unter dem Namen Deutsche Bioscop GmbH gegründet. Die Werkstatt befand sich in der Friedrichstraße 236 in Berlin. Geschäftsführer dieser Sparte war Erich Zeiske.

Während die Filmproduktion der Bioscop rasch an Bedeutung gewann, blieb der Projektorenbau eine eher wenig beachtete Nebenlinie. 1911 erwarb das Unternehmen ein Grundstück in Babelsberg und errichtete dort ein modernes Glasatelier – das erste Gebäude der später weltberühmten Babelsberger Filmstudios. Die technische und organisatorische Entwicklung des Filmgeschäfts führte dazu, dass die Herstellung von Projektoren 1914 endgültig aufgegeben wurde.

1907: Vitascope. Aus: Tümmel, Herbert, S. 48

Die überschaubare Bilanz bei den Projektoren sieht folgendermaßen aus:

  • 1902: Entwicklung des ersten VITASCOPE-Projektors, eines der frühen deutschen Kinoprojektionssysteme.
  • 1907: Einführung des VITASCOPE II (Modell 1907) mit mehreren technischen Verbesserungen:
  • Nocken-Schaltwerk mit Exzenter-Gestänge für das periodische Abheben des Bildfensters.
  • Schleifenbildner bei der Vorwickel-Zahnrolle zur Stabilisierung der Filmbahn.
  • Einlaufzahnrolle mit Lauf- und Andruckrolle (zahnlos) zur materialschonenden Filmbeförderung.
  • Blendenwelle ca. 3 cm unter der optischen Achse zur verbesserten Lichtsteuerung.

Die weitere Firmengeschichte ist dennoch sehr interessant. Zur Vereinfachung des Ablaufs wurden nicht alle Ausgründungen und Umfirmierungen beachtet. In den frühen 1920er-Jahren erlebte die Filmindustrie in Deutschland eine umfassende Umstrukturierung. Um mit der UFA weiterhin in Konkurrenz treten zu können, verschmolzen Bioscop und die Firma Decla in mehreren Schritten bis 1920 zur Decla-Bioscop AG. Zweck dieser Unternehmung war laut Handelsregister „[d]er Betrieb aller Zweige des Filmgewerbes, insbesondere der Filmfabrikation, des Film-Mietgeschäftes und des Film-Theatergeschäftes, sowie Fabrikation und Handel jeder Art, der mit dem Film- und Lichtbildgewerbe im Zusammenhang steht“. [1]

Diese Firma brachte unter der Leitung von Erich Pommer zahlreiche hochkarätige Stummfilme hervor. Zu den bekanntesten Werken zählen bedeutende Frühwerke von Regisseuren wie Fritz Lang, Friedrich Wilhelm Murnau und Ludwig Berger. Besonders hervorzuheben ist Robert Wienes legendäre Inszenierung Das Cabinet des Dr. Caligari, die als stilbildendes Meisterwerk des expressionistischen Films gilt. Am Ende wurde die Unabhängigkeit dennoch nicht gewahrt und die Decla-Bioscop ging 1921/22 in der Universum Film AG (UFA) auf und wurde damit Teil eines der mächtigsten Filmkonzerne der Weimarer Republik.

Die Eingliederung erfolgte schrittweise, wie man nachvollziehen kann. Bereits am 11. August 1922 traten Hermann Zimmer und Adam Schick als Geschäftsführer an, wobei sich Schick später zurückzog und durch die Kaufleute Martin Ober und Heinrich Hoene ersetzt wurde. 1925 wurde das Stammkapital auf 500 Reichsmark reduziert, bevor 1927 erneut ein Wechsel in der Geschäftsführung stattfand, mit Paul Lehmann und Rudolf Sommer an der Spitze. Bis Ende der 1920er-Jahre war die Decla-Bioscop wirtschaftlich vollständig in das UFA-Konglomerat integriert. Die Gesellschafterstruktur spiegelte dies wider: Die Universum Film AG hielt mit 10.000 Reichsmark die Mehrheit der Anteile, während die Decla Lichtspiele GmbH und die Deutsche Bioscop GmbH jeweils mit 5.000 Reichsmark beteiligt waren – allesamt Unternehmen innerhalb der UFA-Gruppe. Am 30. Juni 1930 wurde die endgültige Auflösung der Decla-Bioscop beschlossen, die 1931 abgeschlossen war. Damit war die Firma, die einst deutsche Filmgeschichte geschrieben hatte, selbst Geschichte.

Text: Felix Ulrich

Quellen:

Tümmel, Herbert. Deutsche Laufbildprojektoren: Ein Katalog. Berlin: Stiftung Deutsche Kinemathek, 1986.

[1] Landesarchiv Berlin, A Rep. 342-02 : 65445

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